Pistazien aufbereiten

Die nächsten zwei Wochen werde ich auf der Food Forest Farm (https://www.foodforest.com.au/) verbringen.

Die Farm (15 Hektar Land) ist rund 40 km von Adelaide entfernt, am Gawler Fluss gelegen und umfasste ursprünglich nur ein paar Eukalyptusbäume (Red Gum Trees). Seit 1983 haben Annemarie and Graham Brookman mit ihren Kindern aus der doch eher kargen Landschaft mit Hilfe von Permakultur Design Prinzipien eine grüne Oase geschaffen, mit mehr als 160 verschiedene Pflanzenarten: Früchte und Nüsse sowie Gemüse – nach organischen Prinzipien produziert und zertifiziert – bilden das Haupteinkommen, daneben werden Hühner sowie Gänse und Schafe als natürliche Weidetiere gehalten, die das Unkraut auf den Plantagen auf ein Minimum reduzieren und zudem noch Eier rsp. Wolle liefern.

Entsprechend den Permakulturprinzipien umfasst der Garten mehrere Zonen, gemäss ihrer Relevanz und Nähe zum Haus: Der Garten gehört zur Zone 1 – dient dem eigenen Bedarf und das Gemüse wird auf dem lokalen „Farmers Market“ umgesetzt. Weiter entfernt befinden sich die Obstplantagen und das Randgebiet enthält als äusserste Zone lokale Baumarten, die einerseits ein Biotop für lokale Tieraten sind (v.a. viele Vögel) und andererseits irgendwann zur Holzgewinnung genutzt werden sollen.

Die Haupteinnahmequelle der Farm sind ihre grossen Obstplantagen – neben Aepfeln, Birnen, Weintrauben, Walnüssen, Feigen v.a Pistazien – rücken zunehmend auch Granatäpfeln, Oliven, Jujube (oder Rote Datteln) und Johannisbrot vom Karubebaum usw. in den Produktionsfokus. Zum Privatverzehr stehen einige Bananenstauden sowie Maulbeerbäume zur Verfügung. Diese Artenvielfalt hat über die Jahre auch dazu beigetragen, dass sich lokale Tierarten wie das Bürstenschwanz Rattenkänguruh (Brush Tailed Bettongs) wieder niederlassen konnten. Neben dem Verkauf der Farmprodukte besteht ein weiteres, wesentliches finanzielles Standbein in den Kursen (mit Schwerpunkt Permakulturdesign in den Bereichen Landwirtschaft und ökologischer Hausbau) rsp. Besichtigungen, die die Brookman’s für interessierte Schulklassen, Studenten usw. anbieten.

Nachhaltigkeit wird denn auch auf vielen Ebenen des Betriebes gross geschrieben: Die benötigte Energie der Farm wird z.T. mit Hilfe von Solarpannels gewonnen und die überflüssige Energie wird zurückgeleitet in das Stromnetz, die Nebengebäude, die für die Schulungskurse und zur Unterbringung von Woofern errichtet wurden bestehen aus Stroh, Holz und Lehm und haben so eine angenehme Raumtemperatur auch an sehr heissen Tagen.

Auf dem Gelände werden grösstenteils Komposttoiletten benutzt, Regenwasser wird für die Nutzung im Haus gesammelt. To Use and Reuse steht auch in der Abfallvermeidung rsp. -trennung an Oberster Stelle.

An diesem Mittwoch haben wir die Erntereste an Pistazien von 2018 aufbereitet. Dazu werden die Nüsse in eine spezielle Maschine geschüttet, die die Schalen der Nüsse aufbricht, anschliessend gelangen sie auf ein Fliessband wo per Hand jene aussortiert werden, die braune Stellen haben oder ungeöffnet sind, so dass nur die beste Ware zum Verkauf gelangt. An den Bäumen wächst auch schon die nächste Generation von Pistazien heran, deren Ernte für Februar/ März vorgesehen ist. Aber auch auf der beschaulichen Farm der Brookman’s bemerkt man den Klimawandel – zumindest wurde es in den letzten Jahren immer wärmer und auch Nachts ist es kaum abgekühlt. Darunter leiden z.B. die Pistazienbäume, die nicht mehr so regelmässig in Blüte gehen und Früchte tragen wie sie sollten – deshalb überleben die Brookman’s sich gerade die Bäume nach und nach zu ersetzen mit anderen Arten.

Auch regnet es zurzeit ungewöhnlich viel – was das Risiko eines Fungizidbefalls erhöht – weshalb vorsorglich v.a. die sensibleren Arten wie Aprikosen und Trauben mit einem Kupfer-Oel gemisch bespritzt wurden.

In diesem Film erklärt Graham Brookman die Herausforderungen Pistazien als kleiner Anbaubetrieb zu verarbeiten.

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