Australien und die Geschichte seiner Strafgefangenen

Vielleicht eines der besten Museen in Sydney (es gibt deren nicht viele) ist das Hyde Park Barracks Museum: https://sydneylivingmuseums.com.au/hyde-park-barracks-museum

In dem Ziegelgebäude aus dem 19. Jahrhundert begibt man sich auf die Spuren der ersten Siedler von Australien: Diese halfen letztlIch die Kolonie und ihre strategischen Häfen zu errichten.

Seit dem 16. Jahrhundert transportierten sowohl Frankreich, Spanien, Portugal, Niederlande, Russland und Argentinien Strafgefangene in ihre Kolonien – doch niemand erreichte die Ausmasse der Engländer: Alleine zwischen 1788 und 1868 sandten die Engländer rund 166.000 Männer, Frauen und Kinder nach Australien. Der rund 24.500 km lange Meeresseeweg zwischen dem Vereinten Königreich nd Australien dauerte zwischen 4-8 Monaten. Mehr als 960 Schiffe machten sich auf die beschwerliche Reise – wobei die menschliche Fracht meist in Sydney oder Hobart abgeladen wurde.

When this you see – remember me, until I get my liberty„.. Viele der Strafgefangenen wussten, dass sie ihre Familien und Partner in England nie wiedersehen würden. Um dennoch ein Zeichen der Zuneigung und Verbundenheit zu hinterlassen, haben viele ihren Liebsten sogenannte „Love tokens“ geschenkt. Diese „Tokens“ sind aus Metall geschmiedete Münzen mit Versen und oft auch mit ihrem Namen versehen, aber auch mit Segelschiffen, angeketteten Vögeln oder Ankern verziert.

Viele Gefangene waren mit ihrer Ueberfahrt nicht einverstanden, weshalb sie zu Anfang auch im Schiffsrumpf mit Eisenringen angekettet wurden. Erst nachdem das Boot bereits auf See war, wurden viele wieder freigelassen. Randalierer konnten wieder an Deck fixiert werden.

Viele der Ankömmlinge in Australien hatten sich mit Hilfe einer spitzen Knochennadel bei der langen Ueberfahrt Tatoos gestochen – und das sowohl Männer als auch Frauen. Die Behörden notierten sich das Aussehen der einzelnen Tatoos – weshalb sie auch überliefert sind – damit ein Flüchtender einfacher identifiziert werden kann. Viele Tatoos von Stafgefangenen enthielten denn auch die Initialien von geliebten Menschen oder einen Anker – als Symbol der Hoffnung. Viele schrieben auch die Daten ihrer Deportation auf ihren Körper. Und ein oft wiederkehrendes Tatoo war eine Zusammenstellung aus Sonne, Mond, sieben Sternen…

Während der ersten 30 Jahre ihrer Ankunft auf dem neuen Kontinent konnten die Strafgefangen eine recht grosse Freiheit geniessen, damals gab es noch keine Gefängnisse und auch die Hyde Park Barracks noch nicht – sie mussten sich ihre Unterkunft selbst suchen. Erst Gouverneur Macquarie etablierte die Barracken, um das Leben und Streben der Strafgefangenen besser lenken zu können. So nahmen die Barracken eine wichtige Rolle ein, was Kontrolle und die Arbeitsdisziplinierung anbelangt. Die aus roten Ziegelsteinen errichteten Gemäuer waren gebaut, um rund 600 Menschen Obdach zu geben, sie wurden jedoch zum Teil von bis zu 1.300 Menschen zeitgleich genutzt. Um die 50.000 Stafgefangene befanden sich zwischen 1819 und 1848 in den Hyde Park Barracks.

Viele Spuren des Lebens der Strafgefangenen haben die Zeit überdauert – nicht nur aufgrund der minutiösen Buchführung, sondern auch aufgrund der archäologischen Auswertung der Rattennester in der Zwischendecke.

Das Leben in den Barracken war nicht einfach: Nicht nur die Menschenmassen, die rudimentären sanitären Lebensbedingungen, auch die harte Arbeit kennzeichneten den Alltag. Auch gab es schon fahrbare Gefängniswagen in denen die Strafgefangen zu ihren Arbeitseinsätzen etwa beim Strassenbau gekarrt wurden.

Auch Strafen wurden angewandt und zwar so, dass sie insbesondere abschreckten, und die Betroffenen nicht so verletzten, dass sie letztlich nicht mehr arbeiten konnten. Eine dieser Strafformen war das Auspeitschen. Gouverneur Macquarie setze sich für eine Herabsetzung der Züchtigung ein und bevozugte eher mentale als physische Züchtigung sowie Isolationshaft oder den Einsatz auf den Tretmühle.

Dagegen wurde gutes Benehmen und harter Arbeitseinsatz durch extra Essenrationen und Feizeit entlohnt. Auch bekamen Strafgefangene sogenannte „Tickets to leave“, die ähnlich wie die heutige Fussfessel eine Bewährung auf Abruf war.

Nach 1816 konnten Stragefangene ihre Familie aus Uebersee nachziehen lassen. Diese Begünstigung wurde  von der englischen Regierung nicht aus Menschlichket gewährt – sondern diente insbesondere dem Gleichgewicht zwischen den Geschlechtern. Denn in der neuen Kolonie waren 5x mehr Männer als Frauen. Kamen die Familien an, so konnten der Strafgefangenen oft mit ihren Angehörigen ausserhalb der Barracken leben und sie mussten dann auch unabhängig arbeiten, um ihre Familien zu ernähren.

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