Cairns – seine Bäume und Fledermäuse

Cairns, eine Stadt mit rund 170.000 Einwohnern, recht vielen Aboriginals, im Bundesstaat Queensland gelegen, ist für mich v.a. das Tor zum Great Barrier Reef, das sich rund 60 km vor der Küste erstreckt.

Cairns hat ansonsten ausser ein paar Cafés, einem Schiffshafen, einem Poolbecken an der Promenade und einem Strand der mit Netzen vor den Quallen schützt, nicht viel zu bieten.

Am Beeindruckensten sind wahrscheinlich noch die Strassenbäume sowie die riesige Anzahl an Flughunden…

Rund 90 Jahre alt sind die „Fig Trees“ in Cairns, die deshalb auch auf das „Queensland Heritage Register“ gesetzt wurden. Die Bäume der Gattung „Ficus Microcarpa“ and „Ficus Obliqua“ wurden in den 1930ern gepflanzt. Was die Bäume zudem so besonders macht ist, dass sie von Würgefeigen bewachsen sind.

Die Entwicklung einer Würgefeige (Gattung Ficus) beginnt wenig spektakulär: Im Kronendach setzt ein fruchtfressendes Tier, zum Beispiel ein Vogel oder in Cairns sehr gerne die Fledermäuse, Kot und damit den Samen einer Würgefeige ab, der unter günstigen Bedingungen keimt.

Nachdem die junge Feige sich auf dem Ast des Baumes entwickelt hat, beginnt sie Luftwurzeln in Richtung Waldboden zu schicken – manche frei in der Luft, manche am Stamm. Auf dem Waldboden angekommen verankern sich die Luftwurzeln im Boden und die Feige bezieht in der Folge Wasser und Nährstoffe aus dem Boden.

Der Stamm des Wirtsbaumes wird durch das enge Geflecht der Feige regelrecht stranguliert, seine Leitgefäße werden abgeschnürt. Und als ob dies nicht genug wäre, werden seine Blätter von der zwischenzeitlich mächtig gewachsenen Krone der Feige beschattet und verdrängt. So stirbt der Wirtsbaum einen langsamen Tod, der Jahre dauern kann. Unterdessen ist das Geflecht der Feige so stabil geworden, dass sie auch ohne Stütze durch den Wirtsbaum bestehen kann.

Schuld an der Verbeitung der Würgefeige sind mitunter die Flughunde, die in Cairns zu Tausenden beheimatet sind.

Australien besitzt rund 80 veschiedene Federmausarten. Die Fledermaus gehört zu den Säugetieren. Tagsüber schlafen die intelligenten Tiere kopfüber hängend in Bäumen und werden v.a. in der Dämmerung aktiv. So lassen sich in Cairns tausende Fledermäuse beobachten, die in den Abenstunden gemeinschaftlich ihre Schlafplätze verlassen und oft weite Strecken zurücklegen, um Futter zu finden.

Flughunde haben gut entwickelte Augen und einen ausgezeichneten Geruchssinn. Während die größeren Arten oft in großen Gruppen zusammenleben – was hier der Fall ist – , wobei sie große Kolonien mit bis zu 500.000 Tieren bilden können und ein komplexes soziales Verhalten entwickeln, sind die kleineren Arten eher Einzelgänger. Flughunde sind relativ langlebige Tiere, sie erreichen ein Alter von bis zu 30 Jahren.

Die Fledermäuse sind in Australien durch das Gesetz geschützt – denn ihr Bestand ist am Abnehmen, einige pessimistische Prognosen gehen davon aus, dass die Tiere um 2050 ausgelöscht sein könnten. Schuld daran ist ihr Lebensraumverlust durch Rodungen, Verhungern, illegales Erschiessen (was z.T. in Queensland erlaubt ist), Stromleitungen, Umzäunungen und Hitzeschlag aufgrund steigender Temperaturen.

Allerdings kann eine Bevölkerung umgesiedelt werden sofern sie Schäden verursacht – gerade für Obstanbauer sind die Tiere ein Dorn im Auge. Viele Landwirte haben deshalb auch vorgesorgt und ihre Obstplantagen mit Netzen geschützt, in denen sich die Flughunde widerum z.T. tödlich verfangen können, sofern die Netze nicht die richtige Maschenweite haben. Aber auch gesundheitlich können Fledermäuse für den Menschen zum Problem werden. Sie können etwa Träger des Lyssavirus (gehört zur Gruppe der Tollwut-Viren) sein.

Jedoch helfen diese einzigartigen Tiere v.a. dabei die Wälder zu erneuern und das Oekosystem gesund zu erhalten, indem sie bei der Verbreitung des Saatgutes – und wie Bienen – bei der Bestäubung von Pflanzen (etwa von Eukalyptus-Blüten) helfen. Denn ihre Hauptnahrung sind Nektar, Pollen und Früchte. Flughunde sind ein Teil des Kreislaufs, der das Leben erhält.

 

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