Zuckerrohr, Kröten und Bananen

Von meiner Busreise von Cairns nach Mission Beach (und dann weiter bis nach Airly Beach) begegnet einem Zuckerrohr (Saccharum officinarum) soweit das Auge reicht. In fast ganz Queensland sieht man die riesigen Gräser wachsen, immer in unterschiedlichen Entwicklungsstadien….

Gerade der Bundesstaat Queensland mit seinen feuchtwarmen, tropischen Klimabedingungen ist ideal für den Anbau von Rohrzucker: Denn um ordentlich gedeihen zu können, braucht die Planze Temperaturen zwischen 25 und 30 °C – unter 15 °C wächst die Pflanze nicht mehr – und ihr Wasserbedarf ist sehr hoch. Zudem braucht sie fruchtbaren, gut drainierten Boden mit einer möglichst flachen Anbaufläche. So wurde denn auch grossflächig der Küstenregenwald für den Zuckerrohranbau gerodet…

Zuckerrohr gehört zur Familie der Süssgräser – als einkeimblättrige Pflanzen kann sie Wuchshöhen von 3-5 Metern erreichen. Das Zuckerrohr besitzt Rhizome.

In Australien ist die Zuckerindustrie nach wie vor v.a. in Familienhand: Rund 6000 Familien haben Felder zwischen 20 und 250 ha. Zeitweise muss der Zuckerexport subventioniert werden, da der Weltmarktpreis zu niedrig ist.

Hier in Australien wird der Rohrzucker nicht nur als Haushaltszucker aufbereitet, der Zuckerrohrsaft, frisch gepresst und gekühlt, wird zur Herstellung von Getränken (als Saft, Syrup oder Likör wie z.B. Cachaca) verwendet und er gewinnt zunehmend an Bedeutung als Biokraftstoff Bioethanol.

In gehäckselter Form ist Zuckerrohr ein wichtiges Viehfutter für Wiederkäuer.

Als Nebenprodukt bleibt der faserige Anteil zurück, die Bagasse, die als Brennstoff innerhalb der Zuckerproduktion zur Bereitstellung von Wärme und Strom genutzt wird. Zudem werden die Fasern wegen des hohen Zellulosegehalts zur Herstellung von Papier usw. genutzt.

Die Geschichte der Nutzung des Zuckerrohrs begann um das 5. Jahrhundert v. Chr. im ostasiatischen Raum, der auch als Ursprung der Pflanze gilt. Mit der Zeit erkannte man, dass der aus dem ursprünglichen Saft kristallisierte Zucker viel länger haltbar und leichter zu transportieren ist, als der Fruchtsaft.
Westeuropa lernte den Zucker als Genussmittel im Gefolge der Kreuzzüge kennen…

Nach der Einfuhr der ersten Zuckerrohrschösslinge durch Columbus entwickelte sich die Karibik seit dem 16. Jahrhundert zur Hauptanbauregion für Zuckerrohr. Der arbeitsaufwendige Anbau des Zuckerrohrs hing eng mit dem Ausbau der Sklaverei zusammen. Mechanisiert wurden diese Prozesse erst seit der Mitte des 19. Jahrhunderts. Neben der Karibik entwickelte sich die USA als Zuckeranbauregion und im 19. Jahrhundert zog Australien nach.

Auch in Australien geschieht der Anbau des Zuckerrohrs grösstenteil mechanisch über Stecklinge (15.000–20.000 pro Hektar). Nach ein bis zwei Wochen treiben diese aus, die Zuckerrohrpflanzen benötigen 12 – 16 Monate um heranzureifen. Die Ernte beginnt in Australien im Juli und hört teilweise erst Mitte Dezember auf. Sie  wird von großen Zuckerrohrschneide-Maschinen übernommen. Die Halme werden direkt über dem Boden abgeschnitten. Die „Halmstümpfe“ schlagen wieder aus und nach weiteren 12 Monaten kann die nächste Ernte geschnitten (meist 5 Mal) werden.

Der Abtransport wird über ein extra für die Zuckerernte geschaffenes (hunderte km lange) Schienennetz zur nächsten Fabrik gewährleistet. Der meiste Zuckerrohr wird z.B. nach Tully oder Bundaburg transportiert.

Vor nicht allzu langer Zeit wurde Zuckerrohr noch per Hand abgeschlagen. Um die Arbeit zu erleichtern, wurden die Felder vorher abgebrannt, um das Unkraut sowie Blattwerk vorher zu entfernen. Heute ist das Abbrennen aufgrund von Umweltbedenken verpönt.

In den letzten Jahren ist auch der schädliche Einfluss der Landwirtschaft auf die Korallenwelt des Great Barrier Reefs erkannt worden. Große Mengen Dünger (Stickstoff- und Phosphorverbindungen fördern das Algenwachstum, wodurch den Korallen Licht und Sauerstoff genommen wird), Sedimente und Insektizide werden besonders in der Regenzeit von den Zuckerrohranbauflächen ins Meer gewaschen. Weshalb heute die Anbauflächen entlang der Flüsse landwirtschaftich nicht genutzt werden darf.

Ein weiteres Umweltproblem in Zsammenang mit Zuckerrohr sitzt auf dem Foto unten: Niedlich sieht sie aus und eigentlich kann sie für nichts…

Die sogenannte Aga-Kröte der Gattung Bufo, im Englischen „cane toad“ und deshalb in Deutsch manchmal Zuckerrohr-Kröte genannt, wurde 1935 als biologische Waffe zur Insektenbekämpfung (gegen den Maikäfer) eingeführt. Sie hat sich seither jedoch selbst aufs Mächtigste vermehrt und wurde zur Plage.

100 Kröten wurden damals ins Land gebracht, inzwischen bevölkern sie praktisch ganz Queensland, große Teile der nördlichen Territorien und New South Wales. Die Farmer hatten schon immer ein äußerst getrübtes Verhältnis zu ihnen und nun hat auch die australische Umweltbehörde genug von den Kröten, denn sie bedrohen die Nationalparks: Die Kröte, die bis zu 25cm groß wird, ist giftig und berühmt ist sie v.a als Allesfresserin – von kleinen Mäusen, Fröschen, kleinen Eidechsen, Insekten und Pflanzen frisst sie alles.

Bekannt ist der Dokumentarfilm von Mark Lewis „Cane Toads“ über das ambivalente Krötenverhältnis der Australier…

Da viele Bauern vom Zuckerrohr alleine nicht überleben können, besitzen die meisten neben Mastrindern auch Bananenplantagen….

Die Bananen der Familie Musaceae gehören zu den einkeimblättrigen Pflanzen. Die Bananen sind immergrüne, ausdauernde Pflanzen, die Ausläufer über unterirdische Rhizome treiben. Der Fruchtstand von Bananen wird als „Büschel“ bezeichnet. Die einzelnen Früchte, die botanisch zu den Beeren gehören, werden meist 20 bis 35 Zentimeter lang.

In Queensland werden die Stauden mit bunten Plastiktüten vor den Fledermäusn geschützt wobei die Farbe der Tüten den Reifegrad rsp. Erntezeitpunkt der Früchte angibt.

Auch in Australien ist die weltweit sich in Bananenplantagen verbreitende „Panamakrankheit“  angekommen – so herrschen sehr strenge Hygienevorschriften, um die Ausbreitung des gefährlichen Pilzes zu vermeiden: Denn der Pilz, der in die Wurzeln eindringt, kann jahrelang im Boden ausdauern. Es wird angestrebt, die Cavendish-Bananenmonokulturen durch neue Sorten zu ersetzen, um die massive Verbreitung der Krankheit zu erschweren.

 

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