Bacon to go in Waitangi

Auf Empfehlung hin habe ich mich am 6. Februar schon um 5.00 früh auf den Weg gemacht nach Waitangi: Dorthin wo vor rund 180 Jahren das staatenbildende Abkommen zwischen Engländern und Maori im sogenannten „Treaty-House“ auf den „Bay of Islands“ unterschrieben wurde, welches das Schicksal Neuseelands als Nation besiedeln sollte.

Der Vertrag wurde 1840 zwischen Vertretern der britischen Krone und 45 Maori Chefs unterzeichnet. Während der nächsten Monate wurde das Dokument herumgereicht, damit auch andere Maori Chefs unterzeichen sollten. Interessant ist, dass das Abkommen von den Maoris, die teilweise nicht lesen konnten, ganz anders ausgelegt wurde – und dabei sollte es letztlich die britische Herrschaft über Neuseeland besiegeln.

Dieser Tag, der seit einigen Jahrzehnten als Feiertag begangen wird, gibt auch heute noch Anlass für viele Kontroversen.

Während oben auf dem Hügel neben dem „Treaty-House“ in der Morgendämmerung und vor spektakulärer Meeresbucht die Neuseeländische und englische Flagge gehisst wurden und die junge Premierministerin Jacinda Ardern der Labour-Partei (die zweite Staatschefin weltweit, die während ihrer Amtszeit vor kurzem Mutter wurde) gratis „Eggs and Bacon“ servierte, fanden sich viele Maoris in ihrem „Wharenui“ (Meeting House) im unteren Teil des Hügels ein, wo es traditionelles „Hangi“ gab – in der Erde gekochtes Fleisch mit Gemüse.

Der weitere Verlauf des Tages stand nicht nur im Licht von Performances sowie der traditionellen Bootszeremonie mit dem „Ngatokimatawhaorua“, einem der grössten Maori-Kriegsschiffe … anwestend waren auch viele Vertreter von Organisationen.

Während auf einer Bühne ein katholischer Bischof viele Zuhörer bei den Maoris fand – erstaulicherweise haben sich viele seit dem 20. Jahrhundert dem Katholizismus zugewandt – , traten auf anderen Bühnen Vertreter von Maori-Organisationen sowie Privatpersonen auf, die auf strukturelle oder soziale Missstände hinwiesen wie etwa die hohe Gefängnisrate bei der Maori-Bevölkerung oder die Drogensucht und die inadäquaten Hilfmassnahmen in solchen Fällen…

Aber auch Jugendliche Maori standen auf der Bühne, um sich gegen Suizid zu engagieren… Denn die Suizidrate bei jungen Maori-Teenagern ist extrem hoch.

Die anwesenden Teenager haben den „Suicidal Car Club“ auf Facebook gegründet – was etwas wie ein Antagonismus klingen mag, hier geht es nicht darum, aufs Gas zu drücken – sondern um durch die Liebe zum Auto sozusagen und das Treffen auf Meetings auf andere Gedanken zu kommen.

Eine Demonstration will gegen Gewalt in den Familien sensibilisieren.. Stände werben gegen Softdrinks… etc. Vertreten sind auch Organisationen für Menschen mit Behinderungen.

Wer schon immer Maori in Gebärdensprache lernen wollte:

Es gibt noch viel zu tun in der Neuseeländischen Gesellschaft und Politik, dessen wird man sich an diesem Tag bewusst…

Und dann gibt es das – einfach von der Brücke in den Fluss springen, um die grösste Wasserbombe zu machen…

 

 

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