Alte Riesen

Eines der beeindruckensten Erlebnisse in Neuseeland ist wohl der „Waipoua Wald“ (rund 300 km nördlich von Auckland gelegen) oder das was noch von ihm übrig ist… Und das vor allem wegen einer Baumart: Dem Kauri-Baum.

Die Kauri Bäume – bekannt als Agathis australis – sind im tropischen Bereich weit verbreitet, ihre Holzmasse wird nur von den Redwoods in Nordamerika überboten. So kann ein erwachsener Baum so viel Holz enthalten, um drei bis vier Häuser zu bauen. Kauris brauchen 300-400 Jahre um das Erwachsenenalter zu erreichen – und sind dann durchschnittlich 30 Meter hoch. Bei den Kauri-Bäumen ist die Fortpflanzung besonders langwierig. Erst dauert es über zwei Jahre bis die weiblichen Zapfen reif sind. Sind diese dann bestäubt, reifen die Samen noch einmal zwei Jahre bevor sie der Wind in alle Himmerlsrichtungen verteilt. Bei Bäumen, die über 2000 Jahre alt werden, ist das natürlicherweise kein Problem. Gehen die Bestände schnell zugrunde, kann dies den letzten Sargnagel für eine Art bedeuten.

Drei Viertel der Kauri Wälder wurden jedoch zwischen 1800 und 1900 in Neuseeland gefällt – erst seit 1988 sind die verbleibenden Bäume geschützt. Zu den grössten noch lebenden Bäumen im Waipoua-Wald gehört der Tane Mahuta – auch als „Gott des Waldes“ bekannt – er umfasst rund 14 Meter Umfang und ist 52 Meter hoch. Sein Alter wird auf 1.250 und 2.500 Jahre geschätzt. Der älteste Baum Matua Ngahere, wird auch „Vater des Waldes“ genannt –  er ist 30 Meter hoch und hat einen Umfang von 16 Metern. Sein Alter wird auf 2.000 bis 3.000 Jahre geschätzt.

Dass ein solcher Baum also Ewigkeiten braucht, um zu diesen Grössen heranzureifen darüber machten sich die ersten weissen Siedler wenig Gedanken. So wurde das Holz nicht nur für den lokalen Schiffsbau, zum Haus- und Möbelbau genutzt, sondern auch im grossen Stil exportiert. Das Besondere am Kauri-Baum ist nämlich, dass er beim Wachstum seine unteren Aeste abwirft und somit keine Knoten hinterliess. Das Holz hat lange Fiebern, ist weich und sehr dehnbar.

Einen Kauri zu fällen war aber nicht ungefährlich und schon gar nicht einfach.. da die Bäume zum Teil die Grösse der Sägen überschritten, arbeitete man z.T. mit kleinen Feuern, die kontrolliert um den Baumstamm gelegt wurden, diesen ankokelten und dann wurde an der Brandstelle weiter gesägt, wieder angebrannt und gesägt – bis der Baum gefällt war.

Eine weitere Herausforderung war – die dicken schweren Bäume durch dichtes Waldgebiet zu führen, deshalb wurde die Krone des Baumes zuerst entfernt und der Baum in kleinere Einheiten von drei Metern zerlegt.. Z.T. wurden sie von Ochsen gezogen und später kamen die ersten Eisenbahnen zum Einsatz.

Jedoch wurde auch eine ganz spezielle Technik entwickelt: Dort wo Flüsse waren wurden diese mit Hilfe von Dämmen gestaut. Diese wurden dann auf einen Schlag geöffnet und die Wucht des Wassers trug sie weiter Richtung Tal. Immer mehr Sägewerke siedelten sich an den Flüssen an.

Neben dem Holz wurde auch das Harz des Baumes gewonnen. So wurde der Baum entweder angeschnitten und später das zu einem Klumpen geronnene Harz – das eigentlich eine Schutzfunktion des Baumes ist, um Wunden zu schliessen – geerntet. Da diese Technik den Bäumen schadete, wurde sie irgendwann eingestellt und verboten…

Nach dem Kauri-Harz wurde auch gegraben, denn durch Stürme waren über die Jahrhunderte viele Bäume umgefallen und das fossile Gold hat die Zeit unbeschadet unter einigen Metern Erdschichten überdauert.

Benutzt wurde das Wachs nicht nur um Schmuck herzustellen. Wie Bernstein konnte auch Kauri-Harz Insekten eingeschlossen haben…. Frisches Harz wurde als Kaugummi genutzt, als Feuerstarter und Klebstoff. Später wurde damit Lineoleum hergestellt und er wurde als Lasur für Musikinstrumente wie Geigen verwendet.

Obwohl die wenigen verbleibenden Bäume heute geschützt sind, droht ihnen zurzeit eine andere Gefahr: Ein von außerhalb eingeschleppter, pilzartiger Krankheitserreger setzt den Bäumen zu. Phytophthora taxon agathis, oder kurz PTA, verursacht an den Wurzeln die Kauri-Wurzelfäule. Eine Diagnose an einem betroffen Baum gelingt meist erst, wenn es zu spät ist. Denn ist der Baum infiziert, ist dies nahzu immer tödlich. In fast allen noch verbliebenen Kauri-Reservaten ist PTA an einzelnen Bäumen nachgewiesen. Auch eingeschleppte und nicht im Ökosystem heimische Wildschweine tragen dazu bei, dass sich die tödliche Infektion vebreitet.

Deshalb müssen Besucher seit einigen Jahren beim Betreten der Wälder ihre Schuhe desinfizieren…

 

 

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