Kanamara etc

Das Kanamara-Festival oder „Fruchtbarkeitsfestival“ am Kanayama Schrein in Kawasaki, Tokyo ist mittlerweile zum Massenauflauf geworden mit vielen ausländischen Besuchern und vielen (schwulen) Männern. Anzugspunkt ist wie so oft die wichtigste Nebensache der Welt – in diesem Falle das männliche Geschlechtsorgan. Der Höhepunkt der Veranstaltung besteht darin, dass drei Mikoshi, Schreine mit Phallusdarstellungen, von einer Gruppe von z.T. verkleideten Männern durch die Strassen von Kawasaki getragen werden. Versüsst wird das ganze durch Lutscher in Penis- und Vaginaform. Der Umzug wurde das erste Mal ende der 60er Jahren ausgetragen.

Der Kanayama Schrein in Kawasaki war schon immer Anzugspunkt für Sexarbeiter die in den lokalen Teehäusern arbeiteten und hier um ihre Gesundheit beteten. Noch heute gilt der Schrein als Anzugspunkt, um für Wohlstand/ Fruchtbarkeit, Harmonie in der Beziehung und eine leichte Geburt zu bitten.

Der Hype um das Festival jedoch ist grösser als der eigentliche Gehalt: Neben stundenlangem Schlange stehen, um zum Schrein vorzudringen – Warteschlangen, die sich schön geordnet um mehrere Häuserblocks ziehen und die von sehr aktiven Ordnungskräften gestikulierend in die richtige Bahnen gelenkt werden – ist der Umzug selbst letztlich auch nur eine Geschichte von 5 Minuten.

Die demografische Komponente ist in Japan ein grosses Thema. Ziel der Politik ist es, den Arbeitsmarkt zeitmässig beschränkt für Arbeitsmigranten zu öffnen, um dem Problem des Rückganges der Erwerbsbevölkerung bei zugleich steigendem Bedarf an Arbeitskräften zu begegnen.

Mit den neuen Regelungen will das alternde Land, dessen Bevölkerung ob der niedrigen Geburtenrate und bisher geringen Immigration in hohem Tempo schrumpft, endlich eines seiner größten Probleme angehen. Wegen der geringen Kinderzahl schlossen zuletzt auch etwa 300 Schulen im Jahr.  Schon lange fehlt es zudem an Pflegern, die den nunmehr rund 35 Millionen Senioren unter die Arme greifen können.

Einiges wurde schon unternommen, um diese Herausforderungen irgendwie ohne Zuwanderung zu meistern. Da ist die schrittweise Anhebung des Pensionsantrittsalters von 60 auf 65 Jahre oder ein verbessertes Kinderbetreuungsangebot.

Viele Japaner befürchten jedoch, dass durch den Zuzug von Ausländern die Homogenität der japanischen Kultur verloren geht und es zu einem Werteverlust kommt. Jedoch schon jetzt stehen die Zeichen auf Veränderung: Seit Tokyo im Herbst 2013 das Austragungsrecht für die Olympischen Spiele zugesprochen wurde, versucht die Gesellschaft durchaus, für AusländerInnen zugänglicher zu werden. So wird etwa der Englischunterricht in Schulen verstärkt gefördert… Und sogar ausländische Kulturgüter finden ihren Platz an Bahnhöfen wie dieser Manneken Pis mit Kirschblütenstrauss.

 

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.