Gemischtes im Anbau

Seit drei Tagen bin ich nun zu Besuch auf einer kleinen Farm nordöstlich von Tokyo, in der Präfektur Chiba, die rund 3,5 Hektar Gemüsefelder und 0,5 Hektar Reisfelder umfasst. Dadurch, dass die Farm in einem ehemaligen Vulkangebiet liegt, verfügt sie über sehr fruchtbaren Boden. Ueber 60 verschiedene Gemüsearten, Reis und Bambus (als essbarer Spross und zur Holzverarbeitung) werden hier angebaut. Zurzeit verkauft die Farm Karotten, die im Spätherbst geerntet und gewaschen wurden und in einem Kühlraum aufbewahrt werden… Karotten, die kleine Defekte aufweisen lässt der Eigentümer zu Karottensaft zubereiten. Daneben wachsen zurzeit Pak Choi, verschiedene Salate wie Frisé, Eichblattsalat, Eisbergsalat, Spinat und 2 Arten von Rüben, Ruccolablüten und Rapsblüten sowie Bambussprossen auf den Feldern. Das meiste Gemüse wächst in Tunnels. Der Betrieb versucht weitestgehend biologisch zu wirtschaften, als Bodendünger werden z.B. Reisabfälle genutzt.

Das Gemüse wird vorrangig unter Plastiktunneln gezogen und tagtäglich frisch geerntet. So beliefert die Farm einerseits Restaurants, Supermärkte, private Kunden und ist präsent mit einem Markt in Tokyo.

Sehr viel Zeit verwendet die Farm auf das Verputzen des Gemüses und alles wird in kleinen Portionen in Tüten verpackt. Das Gemüse wird nicht gewaschen, sondern es werden nur welke oder gebrochene Blätter entfernt und die Erde mit einem Lappen abgewischt. Bisher verfügt die Farm über 2 Gehilfinnen, zwei Frauen aus Thailand. Neben Thailänderinnen befinden sich viele Hilfskräfte aus Sri Lanka in der Region. Der Umgang mit diesen fleissigen Arbeitskräften verdeutlicht oft auch ein Stück japanischer Kultur: Das hierarchische Gefälle ist nach wie vor sehr ausgeprägt und die Arbeit endet erst, wenn der Chef den Arbeitsplatz verlässt – Arbeitsrechte gibt es in diesem Sinne allgemein in Japan nicht, eher eine Arbeitsmoral.

Typisch japanische Gartengeräte:

Scharfe Handhacke zum Unkrautjäten

Säen, Ernten, zubereiten und Verkauf:

Im Freiland wird Salat und Rote Beete in Folienlöcher nachgesät, wo das Gemüse nicht gewachsen ist. Meine Farm verwendet vorwiegend pilliertes Saatgut, das oft zudem hybriden Ursprungs ist…

Bei der Traysaat werden faltbare Papiertrays benutzt:

Als Kistensysteme kommen z.T. faltbare Kisten zum Einsatz:

Das Gemüse wird frisch vom Feld geerntet und gleich auf dem Feld in Plastiktüten verpackt, um die Frische zu bewahren.

Enorm viel Sorgfalt verwendet die Farm auf das Putzen des Gemüses: Jedes Gemüse mit einer kleinen Unperfektion wird aussortiert, kein welkes Blatt und keine krumme Schnittstelle bleibt bestehen .. Lose Salatblätter werden à 100 gr in kleine Beutel verpackt.

Der Salat wird in grüne Plastikfolien gewickelt um ihn so einfacher in die Klarsichttüten umzufüllen.

Speziell gestaltet sich der Verkauf an die Supermärkte: Hier wird eine Mittelsfirma bezahlt, die zwischen dem Produzenten und den Supermärkten steht. Diese Mittelsfirma ermittelt den Bedarf bei den Supermärkten und gibt die Bestellung direkt an die einzelnen Produzenten weiter. In einer grossen Halle, die die Mittelsfirma angemietet hat, liefern die Produzenten ihre Ware ab und verteilen sie je nach bestellter Anzahl in die unterschiedlichen Warenkörbe der einzelnen Supermärkte, deren Namen sich über den Kisten befinden.

Die Mittelsfirma, die vom Produzenten etwa 2/5 des Verkaufspreises erhält, liefert die Ware dann an die einzelnen Supermärkte aus. Bleibt die Ware bei den Supermärkten liegen, erhält der Produzent, der seinen Preis selbst definieren kann, weniger Gehalt.

Um einen höheren Preis beim Verkauf zu erwerben, wird der Reis von seiner Schale befreit und Unreinheiten werden aussortiert. Das spezielle ist, dass sich diese Säuberungsmaschinen neben Supermärkten befinden und für jeden Kunden nach Münzeinwurf zugänglich sind…

Bambussprossen ist ein beliebtes Gemüse in Japan. Die Sprossen sind nicht einfach zu finden in den dichten Bambuswäldern. Bambus ist ein tropisches Baumgras, das bis zu 30 Meter hoch werden kann, wovon es über 40 Gattungen und rund 500 Arten gibt. Die sich am Wurzelstock bildenden Sprossen wachsen wie Spargel sehr rasch heran. Sie werden abgeschnitten, wenn sie die Laubschicht durchstoßen und noch bleich sind. Die äußere Hülle besteht aus schuppenförmig übereinanderliegenden Blättern, die abgeschält werden. Darunter sitzt das elfenbeinfarbene Fruchtfleisch. In Europa gibt es Bambussprossen vor allem in Dosen im Feinkosthandel oder in Asiageschäften. Gekocht haben sie eine ähnliche Konsistenz wie Artischocken, schmecken allerdings etwas anders.

 

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