Shitakee, Bonsai und Gemüse

Meine nächste Farm befindet sich rund 100 Kilometer von Nagoya entfernt in der Präfektur Gifu. Die Stadt Mizunami mit rund 38.000 Einwohnern hat auch schon bessere Zeiten gesehen: Während es vor 30 Jahren noch rund 40 Keramik-Manifakturen gab sind deren heute nur noch ein halbes Dutzend übrig. Die Arbeitskräfte sind zu teuer geworden verglichen mit anderen asiatischen Nachbarländern – auch ist  mittlerweile das lokale Rohmaterial Ton aufgebraucht und muss teuer importiert werden, so dass sich die Herstellung von Keramik nicht mehr lohnt.

Mizunami verzeichnet heute eine alternde Bevölkerung und die Stadtverwaltung muss deshalb hohe Kosten tragen (rund 1 Drittel des Gemeindebudgets), um entsprechende Infrastrukturen für diese alternde Bevölkerung vorzusehen. So gibt es einerseits ein Mangel an Arbeitskräften (v.a. im Pflegebereich sowie fehlende junge Investoren) andererseits gibt es nur eine geringe Auswahl an Jobangeboten – so dass junge Leute zunehmend in die umliegenden grösseren Städte ziehen. Geblieben sind die Alten und ein paar Golfplätze, die am Wochenende noch einige Grosstädter zur Erholung nach Mizunami ziehen.

Ein kaum zu übersehendes Relikt erinnert in der Stadt noch an das goldene Zeitalter der Keramik-Manufakturen, welches sogar einen Eintrag in das Guiness-Buch der Rekorde erlangt hat – nämlich besitzt die Stadt einen der grössten Teetöpfe der Welt, der vor Ort aus Ton gebrannt wurde. Dazu wurde um die Topfskulptur ein Ofen gebaut wurde – der während zwei Wochen mit Holz befeuert wurde, danach wurde der provisorische Ofen wieder abgebaut.

Nach einem ähnlichen Verfahren wurden zwei grosse Wächterhunde (-löwen) auch Komainu genannt, aus Ton gefertigt. Sie stehen traditionell in Japan immer vor shintuistischen oder buddhistischen Tempeln, um  böse Geister abzuwehren. Seit der frühen Heian-Zeit wurden die Löwen, auf der linken Seite mit offenem Maul dargestellt, und auf der rechten mit geschlossenem. Das soll die Intonation des jeweils ersten und letzten Lautes im Sanskrit-Alphabet darstellen und damit auch für den Anfang und das Ende aller Dinge stehen..

Der Eigentümer meiner Farm, Shige-San war ein Leben lang aktiv im Gemeinderat der Stadt Mizunami, und sein Engagement auf vielen Ebenen hat ihm am Ende gar eine Anerkenung durch den Tenno eingebracht. Vor allem jedoch hat er sich – trotz seiner 71 Jahren – seinen Tatendrang bewahrt und eine Art Gemeinschaftsprojekt erstellt: Mit dem Ziel Menschen um den gemeinsamen Nenner Agrikultur und Kochen zusammenzuführen und so auch zur Belebung der Region beizutragen – wenn auch im kleinen Stil.

Shige-San verfügt über 7 Gewächshaus-Tunnel für Gemüse sowie Rebstöcke, er betreibt einen Shiitake-Anbau, baut Spargel an und erfreut sich an seinen Bonsai-Bäumen.

Shiitakee (Pilz (take) vom Pasania-Baum (shii)) wird schon seit Tausenden von Jahren in Japan als Nahrungsmittel und als Medizin geschätzt. Der Pilz besitzt einen hell- bis dunkelbraunen Hut und wächst auf verschiedenen Laubbäumen, vorzugsweise auf solchen mit hartem Holz, z. B. auf Buche, Eiche, Esskastanie, Ahorn, Walnuss… Shiitake besitzen die Geschmacksqualität umami – die sogenannte fünfte Geschmacksqualität neben süß, salzig, bitter und sauer. Umami entsteht durch das Vorhandensein von Glutamat und aktiviert spezielle Geschmacksrezeptoren auf der Zunge.

Zudem betreibt Shige-San einen Pizzaofen, der immer dann genutzt wird, wenn sich eine Schulgruppe oder sonstige Besucher anmelden, um nach dem Pilze- oder Gemüsepflücken, gemeinschaftlich eine Pizza zuzubereiten.

Shige-San ist auch in seinem Alter – im gegensatz zu  vielen Nachbarn – nie wirklich einsam. Denn jedes Jahr empfängt er bis zu 50 internationale Woofer (bis zu 4 Woofer können zeitgleich auf der Farm beherbergt werden) und er betreibt gleichzeitig eine Airbnb-Unterkunft.

Sein liebstes Hobby sind seine Bonsai-Bäume sowie sein japanischer Steingarten mit Koi-Fischteich.

An Bonsai („Anpflanzung in der Schale“)- Bäumen pflegt Shi-San mittlerweile rund 20 Stück.

Sein Stolz ist ein Exemplar, das mittlerweile 40 Jahre alt ist und einen Wert von 500.000 Yen bemisst. Bonsaibäume können bei guter Pflege viele hundert Jahre alt werden. Die Kunstform der Bonsai, bei der Sträucher und Bäume in kleinen Gefäßen oder auch im Freiland zur Wuchsbegrenzung gezogen werden, entstand wahrscheinlich in China. In der frühen Han-Dynastie (206–220 n. Chr.) wurden bereits künstliche Landschaften mit Seen in Palastgärten der Kaiser nachgestaltet, auch die Topfpflanzen-Kultur war bereits bekannt.

Während die chinesische Gartenkultur vor allem in der Darstellung einer Miniaturlandschaft bestand – verlegte sich ab dem 10./11. Jahrhundert in Japan der Schwerpunkt von Landschaftsgestaltungen ganz auf die Baumgestaltung. Vor allem in der Edo-Zeit erfuhr die Mode der Topfkultivierung von Pflanzen und Bäumen einen starken Aufschwung. Damals sammelte man vor allem Pflanzen, die Krümmungen und Biegungen aufwiesen (Yamadori) oder deren Blüten und Blätter auffällige Mutationen hervorgebracht hatten…

Später wurden natürliche Wuchsformen in der Natur als Vorbild genommen und heimische Arten wie Kiefern und Ahorne durch Kulturmaßnahmen (Form-, Wurzel-, Blattschnitt sowie Drahtung) klein gehalten.

Seit Mitte des 20. Jahrhunderts verbreiteten sich Bonsai als Hobby in der ganzen Welt. Nicht jede Baumart eignet sich als Bonsai – traditionell werden in Japan Kiefer, Wacholder, Ahorne, Ulmen und verschiedene Fruchtbäume gestutzt.

Verrichtete Arbeiten

Unkrautjäten an der Stelle an der das nächste Gewächshaus errichtet werden soll.

Unkrautjäten im Spargelbeet

Vorbereiten der Pflanzbeete…

Gras mähen um Gewächshäuser …

Lokale Fauna….

 

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.