Alte Häuser und ihr Inhalt

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Ein grosses Problem in Japan ist die Alterung der Gesellschaft – die Stadträte müssen z.T. mehr als ein Drittel ihrer Kosten in Infrastrukturen für alte Menschen investieren.
Damit zusammenhängend steht eine andere Herausforderung – nämlich einerseits leerstehende Häuser und andererseits der Hausrat, der sich bei vielen einsamen Rentnern über die Lebensjahre angesammelt hat…
Geschätzt wird, dass Japan in den vergangenen zwei Jahrzehnten rund 16 Millionen Bewohner verloren hat, so sind insbesondere die ländlichen und suburbanen Gebiete Japans übersät von leer stehenden Häusern, für die sich keine neuen Besitzer finden. Zudem gibt es immer weniger junge Menschen die Häuser kaufen, da die meisten in die grossen Städte ziehen und die Familien kleiner werden und so kein Haus gebraucht wird. Auch wurden viele dieser Häuser über Nacht während des Baubooms in den Sechzigerjahren hochgezogen und weisen eine ganz schlechte Bausubstanz auf… Einige der verlassenen Immobilien werden heute gar gratis angeboten oder zu einem symbolischen Preis verkauft.
Zudem stapelt sich z.T. um und in diesen Häusern der Hausrat vergangener Zeiten.
Bei denjengen Häusern, die zu kleinen Agraretrieben gehörten, verfällt zudem das umliegende Gehöft sowie die Gewächshäuser: Plastikbahnen vergammeln auf den Feldern, alte Düngesäcke lösen sich auf, rostige Traktoren, Maschinen und Arbeitsgeräte setzen Moos an, Oel-Kanister, Abfälle und alles Erdenkliche vermodert an Ort und Stelle…
Viele einsame Japaner scheinen das Angesammelte nicht mehr zu bewältigen… Ob das nun daran liegt, dass es Nachkriegsgenerationen sind, die eher horten wollen  – ob es an einer fehlenden Sperrmüllentsorgung liegt – sei dahin gestellt. Zwar ist es z.T. verboten Abfälle in die Natur zu kippen oder zu verbrennen, die Realität sieht allerdings anders aus… So sind viele Felder mit Plastikpartikeln verseucht..
Dabei wird zurzeit Japan absurderweise gerade in der westlichen Welt für seine Aufräumkünste gefeiert:  Grossen Anklang findet die junge Marie Kondo mit ihren Aufräumprinzipien – wie man erfolgreich in den eigenen vier Wänden ausmistet. Ihre drei Bücher wurden in 27 Sprachen übersetzt und verkauften sich weltweit über sieben Millionen Mal. Eine zweitägige Intensivberatung bei einer nach der KonMari-Methode ausgebildeten Beraterin kostet umgerechnet 2.600 Euro. Minimalismus wird hier zum Ideal, zur neuen Luxus-Etikette mit teuren Wandschränken, hinter denen alles verschwindet…
Der Konsum an Plastik ist in Japan ungebrochen. In einem regulären Supermarkt sind 95 Prozent der Lebensmittel mehrfach verpackte industriell hergestellte Lebensmittel – nur etwa 5 Prozent sind Frischware und auch diese ist selbstverständlich in Plastik verpackt. Unverpacktes gibt es einfach nicht. Bei jedem Einkauf erhält man eine Plastiktüte mit Plastikbesteck und Plastikstrohhalm.

So beträgt im Land des Klima-Kyoto-Abkommens der anfallende Müll pro Jahr rund 9,6 Millionen Tonnen – Tendenz steigend. In der Entsorgungsstelle von Ichikawa Kankyo Engineering bei Tokyo treffen alleine pro Tag wohl rund 10 Tonnen an Plastik ein.

Japan gehört zu den zweit grössten Plastikherstellern pro Einwohner direkt hinter den USA. Während andere Länder sich langsam des Umweltproblems Plastik bewusst werden und sich zu mobilisieren beginnen, um andere Lösungen finden – scheint dies in Japan absolut kein Thema zu sein. Wenige scheinen informiert über die Müllteppiche, die sich mittlerweile in den Meeren der Welt angesammelt haben.

 

Problematisch ist, dass der Plastikkonsum in Japan quasi strukturell im Konsum verankert ist, Mehrwegflaschen gibt es zum Beispel kaum. Diese Ignoranz zeugt vielleicht auch daher, dass Müll im öffentlichen Raum quasi unsichtbar ist, es gibt keine Abfalleimer im öffentlichen Raum – also auch keine überquellenden Abfalleimer. Die Regierung scheint das Image vermitteln zu wollen, alles im Griff zu haben.

Obwohl Japan seit 1997 über Mülltrennungssysteme verfügt und zum Teil den Abfall penibel aufteilt, wird andererseits hemmungslos Verpackungen erzeugt und konsumiert. Auch ermöglicht das bestehende Mülltrennungssystem nur 1 Fünftel des Abbfalls zu trennen: Unter den Begriff „Combustibles“ fällt so einiges in Japan.

Der anfallende Müll wird zum grossen Teil verbrannt oder begraben – der toxischen Verseuchung der Luft oder des Bodens zum Trotz. Und die unbehandelten Abfälle wurden bisher – rund 70 Prozent – nach China exportiert. Aber seit letztem Jahr hat China es abgelehnt japanische oder westliche Abfälle zu entsorgen. Denn mittlerweile hat China selbst mit einer wachsenden Mittelklasse zu kämpfen, die immer mehr konsumiert… Deshalb haben die Müllentsorgungen in Japan gerade ein grosses Abfallproblem in einem Land, das bisher nicht darauf ausgerichtet war sich selbst um die Endprodukte seines Konsums zu kümmern.  Zwar hat das Umweltministerium nun bekannt gegeben rund 25 Prozent der Menge des Wegwerfplastiks bis 2030 reduzieren zu wollen – ein minimaler Anfang… Das Image, das Japan im Ausland geniesst, als cleanes Hightech-land, hat vor dem Hintergrund dieser Realitäten kaum Bestand.

 

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