Frauenpower in Japan?

Vor zwei Wochen hat der alte Kaiser Akihito in Japan den Thron seinem Sohn hinterlassen, somit ist die „Heisei“-Zeit offiziell beendet. Ob mit Naruhito und seiner Frau Masako ein frischer Wind in der neuen Ära der „schönen Harmonie“ weht, wird sich zeigen – gerade was Frauenrechte anbelangt. Denn die beiden haben nur eine Tochter: Prinzession Aiko. Wird sie die nächste Thronanwärterin sein in einem Land  das vornehmlich von Männern regiert wird und das bisher sehr an seinen Traditionen festhält?

Denn in Japan machen auch heute noch die wenigsten Frauen Karriere. Japan belegt in punkto Gleichstellung der Frauen einen der untersten Ränge: http://reports.weforum.org/global-gender-gap-report-2018/data-explorer/#economy=JPN

Von 149 Ländern belegt Japan gerade mal den 110 Rang – wirklich nicht erbaulich. Wen wundert es da, dass z.B. unter dreissig Bewerbern um die regionalen Wahlen – gerade mal zwei Frauen sind.

Lange brauchten Frauen einen Mann, um überhaupt ein Unternehmen eröffnen zu können, um Geld von den Banken zu leihen, um Kontakte zu Geschäftspartnern aufzubauen – auch heute noch ist das nicht ganz ohne. Japans Frauen sind zwar oft sehr gebildet, aber das bringt ihnen wenig. Viele Japanerinnen haben studiert und oft auch einen guten Job gefunden – doch das Glück endet mit der Familiengründung, dann nämlich wird erwartet, dass die Frau sich dem Haushalt und der Kindererziehung widmet. Hausmänner oder Väter, die ihren Elternurlaub beanspruchen, findet man in Japan kaum. Es mangelt an Aufstiegsmöglichkeiten und politischer Teilhabe. Für gleiche Arbeit bekommen Frauen oft um ein Drittel weniger Lohn als Männer.

Das hat negative Konsequenzen auch für die Sozial- und Altersstruktur Japans: Denn wären die Männer stärker in das Familienleben eingebunden, und würden ihre Vaterrolle wahrnehmen, statt ihre Zeit als Angestellte im Büro zu verbringen –  und hätten die Frauen im Gegenzug mehr Anrechte auf politische, soziale und ökonomische Teilhabe – dann würde vielleicht sich auch das Familienleben in Japan anders entwickeln.

Denn die Arbeitsmoral ist hart und auch das Mass an individueller Freiheit ist in Japan beschränkt: So hört man, falls man versucht die japanische Arbeitsmoral zu verstehen, gerne den Spruch: “The nail that sticks out gets hammered down.” In Japan ist es schwer, anders zu sein, jedwege Form von Abweichung wird gerne mit Rebellion gleichgesetzt.

Wer als Mann (Frauen wird es eh erschwert) Karriere machen will – so eine ungeschriebene Regel – sollte das Büro erst verlassen, nachdem der Vorgesetzte gegangen ist. Das führt dazu, dass gerade Männer oft viele Ueberstunden machen, die zum Teil nicht bezahlt werden und das obwohl theoretisch eine 40-Stunden-Woche gesetzlich vorgeschrieben ist. Japaner haben im Schnitt pro Jahr 19 freie Tage –  genutzt wird oft nur die Hälfte, so wachsen viele Kinder ohne ihre Väter auf. Auch für die Beziehung ist diese Abwesenheit oft vernichtend – so lassen sich viele Frauen scheiden, sobald die Kinder aus dem Haus sind.

Frauen müssen sich in dieser rigiden Kultur oft zwischen Karriere und Familie entscheiden. Frauen haben zudem, falls sie sich für die Familie entscheiden, eingeschränkte Rechte: So wird von ihnen erwartet, dass sie ihre Familie/Kinder nicht alleine lassen, was z.B. bedeuten mag, Abends nicht mehr auszugehen. Eine Mutter berichtet mir, dass sie seit der Geburt ihres mittlerweile sechsjährihgen Sohnes nur ein einziges Mal im Kino gewesen sei. Das Leben scheint mit der Geburt vorbei.

Auch fehlt es an beruflichen Wiedereinstiegsmöglichkeiten nach der Elternzeit. In Japan wird das lebenslange Engagement für einen Arbeitgeber noch immergerne gesehen: Wer als junger Mensch einen Job antritt, bleibt seinem Arbeitgeber meist bis zum Ruhestand treu und durchläuft über die Jahre alle möglichen Abteilungen. Wer für längere Zeit aus dem Tagesbetrieb ausscheidet – etwa durch eine Gburt – , verliert in diesem System schnell seinen Platz. So kehren viele Frauen erst Mitte 40 auf den Arbeitsmarkt zurück, wenn die Kinder selbstständig werden. Meist arbeiten sie dann in Teilzeit, ohne Chancen auf einen Aufstieg.

Sind die Frauen verheiratet, bekommen sie häufig weniger Gehalt – mit der Begründung, dass es im Haushalt ja einen Mann gibt, der für ein festes Einkommen sorgen kann. Auch das Steuersystem das Hausfrauen Steuervorteile zugesteht, hält dieses System aufrecht.

Zum Teil hat die Regierung nun Aenderungen versprochen – aber das aus einem ganz pragmatischen Grund: Frauen werden in Zukunft gebraucht, um die Renten und Pflege der überalterten Gesellschaft zu finanzieren. So sollen 250.000 neue Kindergärten geschaffen werden, damit Mütter nach der Geburt ihrer Kinder schnell wieder arbeiten können.

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