Die alte Kaiserstadt Kyoto

Kyoto ist die Hauptstadt der gleichnamigen Präfektur – Bedeutung hat die 1,5 Millionen Einwohner umfassende Stadt vor allem dadurch erlangt, da sie mehr als 1.000 Jahre lang die Kaiserhauptstadt des Landes war. Im Westen ist Kyoto daneben vor allem ein Begriff durch die Unterzeichnung der Kyoto Klima-Protokoll (1997), das am 16. Februar 2005 in Kraft getretene Abkommen legt erstmals völkerrechtlich verbindliche Zielwerte für den Ausstoß von Treibhausgasen in den Industrieländern fest, welche die hauptsächlichen Verursacher der globalen Erwärmung sind.

Kyoto ist auch noch heute das Herz des Landes: Durch die vielen beeindruckenden Tempelanlagen, in denen noch immer ein spiritueller Geist lebendig ist, auf jeden Fall dort, wo noch Mönche praktizieren und durch die Natur, die hier allgegenwärtig ist z.B. in den Zen-Gartenanlagen. Der Stadt kommt ihre geografische Lage zugute, so liegt sie in einem Tal, von Bergen umgeben. Ein Fluss, der Kamo, der die Stadt durchzieht, ist nicht nur eine beliebte Anlaufstelle für viele verschiedene Fischreiher- und Entenarten, die hier ihre Jungen aufziehen sowie Schwalben, die hier auf Fliegenjagd gehen, sondern der Fluss mit seiner Uferpromenade wird gerne von den Einwohnern als Rad- und Fussgängerweg genutzt und ist ein guter Orientierungspunkt im dichten Strassennetz von Kyoto.

Zudem vermittelt Kyoto, das noch über viele Wohnviertel mit Häusern aus der Vorkriegszeit verfügt – darunter viele traditionelle Häuser aus Holz, die sogenannten Machiya – fast einen dörflichen Charakter. Aber Kyoto wird nicht von der Modernität verschont – davon zeugen einige rezente Bauobjekte, so etwa der megalomanische Hauptbahnhof. Auch der zunehmende Autosverkehr belastet die Stadt und mit den Touristen kommt die Gentrifizierung.

Mit rund 2.000 religiösen Orten, 1.600 Buddhistischen Tempeln und 400 Shinto-Schreinen, sowie Palästen und Gärten – gehört Kyoto mit zu den best erhaltenen Städen Japans. Viele Gebäude stehen heute auf der Unesco-Weltkulturliste.

In seiner tausendjährigen Geschichte hat die Stadt mehrere Erdbeben und Feuer überstanden – hätte jedoch fast ein jähes Ende gefunden: Denn Kyoto war eine der Städte, die die USA ins Auge gefasst hatten für den Abwurf der Atombombe gegen Ende des zweiten Weltkrieges. Letztlich sollen die schönen Erinnerungen der Kyoto-Flitterwochen eines US-Generals zu einem Umdenken beigetragen haben.

Wirtschaftlich ist Kyoto heute der Sitz von vielen Computerfirmen z.B. Nintendo. Auch die vielen Touristen tragen zum Beleben rsp. Aussterben von einigen Berufs- und Wirtschaftszweigen bei. So floriert in Kyoto gerade die Kimono-Industrie dank der Touristen. Einheimische tragen dieses traditionelle Gewand nur bei speziellen Anlässen, Festivals, Hochzeiten oder Begräbnissen oder der Teezeremonie. Der Kimono (das soviel bedeutet wie „auf den Schultern tragen“) nahm in der Heian-Zeit (794–1192) seine heutige Gestalt an: eine T-förmige, geradlinige Robe, die bis zu den Knöcheln reicht sowie weite Ärmel. Zusammengehalten wird der Kimono von einem schärpenartigen Gürtel, dem Obi, der am Rücken geknotet wird. Für Touristen bietet sich heute die Möglichkeit Kimonos in allen möglichen Farben und Mustern zu mieten.

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Aber Kyoto hat auch eine besonders raffinierte Küche zu bieten, die sich gerade aufgrund der vielen Tempelanlagen entwickelt hat und die reich an frischem Gemüse (kyō-yasai) ist.
Im tradtionellen – mittlerweile touristischen – überdachten Nishiki-Markt gibt es alles, was das Herz begehrt: Viele kleine Läden bieten lokales Kunsthandwerk – Tonschalen, Shopsticks, Stoffe, Messer – verkaufen Matcha-Tee und Mochi-Nachtisch oder bieten gegarte Snacks aus Fisch an.
Eine andere Spezialität, die hier verkauft wird, ist Tsukemono, eingelegtes Gemüse. Einfache Tsukemono haben sich aus dem Wunsch und der Notwendigkeit entwickelt, Lebensmittel haltbar zu machen. Hergestellt wurden sie mithilfe von Reisessig (z.B. roter Ingwer) oder durch die Zutaten: Salz, Sojasauce, Reiskleie, Miso, japanischer Senf, Sake Bodensatz und mithilfe von Koji-Reis aus der Sakeherstellung.
Tsukemono (wörtlich „eingelegte Sachen“) ist in Japan eine beliebte Beilage. Sie werden zum Reis serviert, aber auch als gesunder und wertvoller Snack zum Sake oder Bier.
Eine traditionelle Variante ist Nukazuke, in Reiskleie fermentiertes Gemüse, v.a. Karotten, Auberginen, Gurken, Sellerie als Sommergemüse – und Kohl und weißer Daikon-Rettich als Wintergemüse werden so aufbewahrt.
Früher haben fast alle japanischen Hausfrauen ihr eigenes Nukazuke gemacht, heutzutage werde sie fast nur noch fertig gekauft. Das liegt daran, weil Nukazuke aufwendiger Pflege bedarf, wie eine Pflanze. Nuka-Reiskleie wird mit Wasser, Salz, Kombu und Gewürzen zu einem Brei angerührt und durch lebende Hefekulturen zum Reifen gebracht. Da es lebendige Organismen sind, muss man es jeden Tag umrühren und lüften, sonst wird es schlecht. Es sind die Milchsäure-Bakterien auf unserer Haut, die die Fermentation in Gang bringen. In Nuka eingelegtes Gemüse ist somit milchsauer vergoren – speziell und sehr gesund.

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