Teezeremonie

Zur japanischen Kultur gehört auch die Teezeremonie oder Chado – was soviel wie „heisses Wasser für Tee bedeutet“. Die japanische Teezeremonie hat sich schon sehr früh entwickelt und wurde – entgegen den heutigen Riten – am Anfang ausschliesslich von Männern abgehalten. Die erste japanische Abhandlung über den Tee verdanken wir dem buddhistischen Abt Eisai, er beschreibt nicht nur die heilsamen Einflüsse des Tees auf die Gesundheit, sondern gibt zugleich genaue Anweisungen über die Zubereitung des Tees und erhebt das Teetrinken zu einer religiösen Handlung mit Gongschlagen und Weihrauchbrennen. Bis 1400 hatte sich das Teetrinken schließlich von der Oberschicht über die Samurai bis hin zu den Bürgern verbreitet. Teetöpfe und -tassen waren sehr ehrenvolle Geschenke von Fürsten. In vielen aristokratischen Familien werden bis auf den heutigen Tag Teeschalen verwendet, die einem Vorfahren der Familie geschenkt wurden. Im 16. Jahrhundert fixierte der Teemeister Sen no Rikyu Regeln der klassischen Teezeremonie, die bis heute Geltung haben – so auch die vier Prinzipien, an denen sich die Teezeremonie orientiert:

Wa (Harmonie):

Die angerichteten Speisen und verwendeten Teeutensilien sind harmonisch aufeinander abgestimmt im wechselnden Rhythmus der Jahreszeiten.

Kei (Respekt):

Ehrfurcht zwischen den Menschen und allen Dingen, das aus einem natürlichen Dankbarkeitsgefühl heraus entsteht.

Sei (Reinheit):

Der Teemeister reinigt die Teeutensilien in Gegenwart der Gäste – wobei seine Aufmerksamkeit ausschließlich dem Akt des Reinigens gilt – und reinigt so auch sein Herz und seinen Geist.

und Jaku (Stille).

Die innere Einkehr beim Teetrinken.

Dank der ersten Schüler, die den Ablauf der Teezeremonie notiert haben, hat sich diese dem Zen nahestehende Philosophie mit ihren strikt ritualisierten Gesten bis heute bewahrt.

Teehäuser sind speziell für die Teezeremonie gebaut und jedes Detail wird mit größter Sorgfalt gestaltet. Sie wurden meist von Mönchen und Händlern gebaut, die die Teezeremonie praktizierten und Ruhe suchten, was mit den Werten des Zen übereinstimmte. Ziel der Teezeremonie ist die innere Einkehr des Gastes, so ist das Teehaus auch bewusst schlicht gehalten.

Maximum 5 Personen nehmen an der Teezeremonie teil, wobei eine Person den Hauptgast bildet, dem es gestattet ist Konversation zu führen – während die anderen Besucher lauschen. Zu einer einfachen Teezeremonie ist der Gast gebeten drei Utensilien mitzubringen (siehe Foto): einen Fächer, dem die Funktion einer Barriere zwischen Gastgeber und Gast zukommt, Papiere, die als Ablage für die zum Tee gereichten Süssigkeiten dienen und ein Essgeschirr, um die Süssigkeit aufzuspiessen.

Es gibt zwei Arten von Teezeremonien – eine in denen nur Tee und eine Süssigkeit gereicht wird (die Süssigkeit wird vor der Teezeremonie gegessen) und jene in denen mehrere Gänge serviert werden: leichte Speisen wie Reis, Suppen, sauer eingelegtes Gemüse und Sake (Reiswein).

Die zum Tee Geladenen wandeln auf einem Gartenpfad zum Teehaus – er symbolisiert die erste Stufe der Erleuchtung (Abstreifen des Alltags) – und bereitet so auf die nun folgende Teezeremonie vor. Teehäuser bestehen gewöhnlich aus zwei Räumen, einer zur Vorbereitung des Tees, der andere für die Teezeremonie selbst. Normalerweise findet vor der Teezeremonie auch eine rituelle Waschung von Mund und Händen statt. Der Raum der Teezeremonie ist traditionell mit Tatami-Matten ausgelegt, auf denen die Gäste knieen. Alle gesellschaftlichen Unterschiede werden an der Schwelle abgelegt.

An der Wand befindet sich eine in Kalligrafie gemalte, für die Jahreszeit oder die Gäste ansprechende Lebensweisheit. Dazu gehört auch eine speziell ausgesuchte Vase mit entprechender jahreszeitlichen Blume und in einem daneben stehenden Gefäss befindet sich Räucherwerk.

Die Teeutensilien sind so angeordnet, dass sie zugleich pragmatische als auch harmonische Bewegungsabläufe während der Teezubereitung ermöglichen.

Zum traditionellen Teegeschir gehört ein Krug mit kaltem Wasser, ein Wasserkocher, eine wertvolle Teedose, ein hölzener Bambus-Löffel zur Dosierung des Tees, der oft mit einem Spruch versehen ist. Nicht fehlen darf die Schöpfkelle aus Bambus, die speziell für den Gast ausgesuchte Trinkschale mit speziellem jahreszeitlichen Motiv sowie der Teebesen aus Bambus. Und die Teemeisterin verfügt über ein seidenes, quadratisches rotes oder orangenes Tuch (andere Farben für die Männer), mit dem sie die Utensilien während der Zeremonie reinigt. Ein Bambusrohr dient auch hier als Grenzmarkierung zwischen der Meisterin und den Gästen.

Der Ablauf ist in den Gesten strengstens ritualisiert, so z.B. die Distanz in welcher ein Gefäss abgestellt wird, ein Innehalten dient dem Bewusstwerden. Erwartet wird die Schönheit der Teeservice von beiden Seiten genau zu betrachten und zu loben, da das Porzellan meist alter Herkunft ist.

Der Gastgeber sammelt sich, verbeugt sich vor seinen Gästen und beginnt nun mit der Teezeremonie. Am Anfang legt der Gastgeber im Beisein der Gäste Holzkohlen auf das Feuer, damit das Teewasser später die richtige Temperatur bekommt.

Zubereitet wird Matcha Tee – aus gemahlenem Grüntee. Beim Matcha-Tee sollte das Wasser rund 80 Grad heiss sein – auf 70 ml kommen 2 Gramm Pudermatcha (1,5 Bambuslöffel-Spitze). Anschliessend muss nach dem Aufguss der Tee in einer vorgegeben Weise mit dem Bambusbesen gerührt werden, so dass der Matcha schaumig wird. (Hat man zu viel Matcha-Puder benutzt oder ist das Wasser nicht warm genug, gelingt der Tee nicht.)

Der Gastgeber reicht dem Hauptgast die Teeschale, die dieser mit einer Verbeugung annimmt. Beim Trinken wird die Tasse, die mit dem Motiv zum Gast gereicht wird in zwei Handbewegungen zurückgedreht, so dass das Motiv auf den Teemeister zeigt – dies als Zeichen der Respektbekundung. Mit einer Geste bietet der Hauptgast seinem Sitznachbarn die Schale an, aber der lehnt ab und bittet den Hauptgast zuerst zu trinken. Er trinkt den Tee in etwa drei Schlucken, den letzten Schluck mit einem knappen Schlürfen. Die Schale geht zurück zum Gastgeber, der die Schale reinigt und den nächsten Tee bereitet. Reihum wird nun so der Tee den Anwesenden gereicht. Während dieses Rituals herrscht meistens Schweigen, das anschließend gebrochen wird, um sich über die verwendete Teesorte zu erkundigen.

In kaum einer anderen Kultur hat die Mystik des Tees einen derart nachhaltigen Einfluss hinterlassen wie in der japanischen…

 

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