Terrassenanbau

Meine neue Farm liegt rund 50 Kilometer nördlich von Okayama, in einer hügeligen Gegend, weniger dicht besiedelt, stattdessen um so mehr mit Wäldern bedeckt.

Der Hof meiner Gastfamilie befindet sich auf einem Bergrücken, so dass die einzelnen Felder Terrassenartig zum Tal angelegt sind – mit einer Fläche von insgesamt 136 Ar. Davon sind 67 Ar Reisfelder, 32 Ar Gemüse, 25 Ar (gelbe, rote, grüne, braune und schwarze) Soja-Bohnen und 8 Ar Blumen.

Die angebauten Reissorten gehören zu den sehr populären Reissorten Japans – Koshihikari sowie Kokonoemochi, letzterer wird zur Herstellung von Mochi benutzt.

Angebaut als Gemüse werden Spargel, Auberginen (Nasu), Gurken (Kuuri), Lauch (Negi), Mais, Sojabohnen für Edamame, Süsskartoffeln (Satsumaimo),Taro (Satoimo), Kürbis (Kabocha), Zucchini, Okra, Melone (Uri), Pepperoni (Pi-man) und langkapselige Jute oder Moroheiya, wie die Pflanze hier genannt wird sowie Shiitake Pilze und Esskastanien.

Der Hof verfügt über zwei verschiedene Labels „Organic JAS“ und „Okayama Organic“, wobei das eine etwas mehr Bio darstellt als das andere – es ist schwer zu durchblicken, was die Labels nun tatsächlich bedeuten.

Die Farm arbeitet viel mit einem Rohrstecksystem aus Metal und Netzen etwa um Erbsen, Bohnen dran hochzuziehen oder auch den Auberginen mehr Halt zu verschaffen.

Verkauft wird rund 78 Prozent auf dem lokalen „Farmersmarkt“, 10 Prozent werden in einer Landwirtschaftskooperative abgesetzt und rund 12 Prozent beträgt der Direktverkauf. Auch hier in der Gemeinde sind die Folgen der Ueberalterung zu spüren, so umfasst der Farmersmarkt rund 200 Mitglieder, tatsächlich liefern aber nur noch 50 Bauern ihr Gemüse zum Verkauf – die anderen sind zu alt. Dies wird nicht nur Konsequenzen für die Versorgung haben, sondern auch ganze Kulturlandschaften verändern, wenn die Felder irgendwann brach liegen.

Die Gegend in der der Betrieb liegt, hat denn auch einen wunderbaren alten Tempel mit uraltem Ginko-Baum aufzuweisen.

Verrichtete Arbeiten:

  • Bestäubung der Zucchinis per Hand. Es gibt nicht genug Insekten zur regelmässigen Bestäubung des Gemüses. Um zu verhindern, das die Zucchinis sich deshalb nicht entwickeln, werden die männlichen Blüten benutzt um die weiblichen Blüten zu bestäuben (Zucchinis bilden männliche und weibliche Blüten), indem der Pollen auf den Stempel aufgetupt wird. Die bestäubte Zucchiniblume wird gekennzeichnet, indem einige Blütenblätter abgezwickt werden.
  • Ernten und Verpacken von Zucchinis und Preis- sowie Bio-Kennzeichnung aufkleben.
  • Ernten des Daikon, waschen und mit Preisschild versehen. Wahrlich nicht einfach sind die Kolosse aus dem Boden zu ziehen. Sie bringen denn auch fast 4 Kilo auf die Waage. Sehr hilfreich für den Transport ist dabei der motorisierte Kistentransporter.
  • Zum Farmers-Markt liefern, einräumen, neue Preisschilder ausdrucken. Auch hier bildet der Bauernmarkt ein wichtiger Absatzmarkt, bei dem der Produzent selbst seine Preise definiert und dementsprechend auch die Preisschilder pro Gemüse am Computer ausdruckt.
  • Waschen der gebrauchten Trays, die für die Reis-Setzlinge genutzt wurden. Manuel wird der Stapel der Trays gewaschen, indem sie in einen Behälter mit Bürsten getaucht werden.
  • Pflanzen von Okra, bewässern.
  • Mehrere Chrysanthemen Arten in gelb, rot und weiss werden auf der Farm angebaut und das in zwei Sätzen einmal für einen Totengedenktag im August und für einen weiteren im November. Vermehrt wurden die Chrysanthemen als Stecklinge. Während die grössere Chrysanthemensorte einstielig heranwächst und nur die unteren Blätter an der Pflanze entfernt werden, wurden bei der anderen Art die Wuchsspitze jeweils entfernt, so dass die Pfanze mehrere neue Triebe bildet und mehrstielig wächst. Auch Lilien werden per Aussaat gezüchtet, hier stand das entfernen des Unkrauts auf dem Programm.
  • Die Farm verfügt über zwei Maissorten einmal „Sweet Corn“, der als Kochmais gedacht ist und einmal Mais der getrocknet wird und als Popcorn verkauft wird. Da der Bauer jeweils zwei Maiskörner pro Pflanzloch ausgesät hatte – um einen Ausfall zu vermeiden – wurde nun die zweite Maispflanze entfernt.

 

  • Ernten der Zwiebeln und zum Trocknen aufhängen.
  • Ausgeizen der Chrysanthemen auf 3-4 Triebe.
  • Umtopfen von Spargelpflanzen.
  • Auspflanzen von Reispflanzen – jeweils 2-3 Pflänzchen. Vorher wurde das Reisfeld maschinell gefräst. Eine Schnur mit Perlen wird ausgelegt, um gleiche Abstände zu bekommen.

Ausgeizen der Auberginen. Dabei wird zuerst der Wildwuchs am gepfropften Wurzelstock entfernt. Und die zwei Hauttriebe werden an den Leitschnüren befestigt.

  • Pflanzen von Suesskartoffelnstecklingen, die Pflanzen werden gut vor und nach dem Pflanzen bewässert, da sie erst Wurzeln ausbilden müssen. Die Süsskartoffelsetzlinge werden schräg in die Erde gesteckt, damit die Fläche an der sie Wurzeln rsp. Süsskartoffeln bilden können, grösser ist.
  • Aussaat von verschiedenen Sojabohnen. Dazu wird zuerst das gefräste Feld markiert: Rechtwinklig zum Abhang werden in einem Reihenabstand von 70 cm Markierungen gesetzt – diese dienen dazu, damit die motorisierte Saatmaschine die Spur bei der Aussaat beibehält. Ausgesät werden grüne, rote, schwarze, gelbe, braune und grün-schwarze Sojabohnen.
  • Auspflanzen von Spargel. In regelmässige Abständen werden Löcher in den Plastik geschnitten. Zuerst wird gut bewässert, dann gepflanzt.
  • Ernten der ersten Auberginen. Düngen der Auberginenpflanzen mit Flüssigdünger. Befestigen von weiteren Schnüren, um die wachsende Pflanze zu stützen.
  • Schneiden von Süsskartoffelstecklingen und Auspflanzen.

Biodiversität

 

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