Mazda und Orizuru

Sadako Sasaki hiess das 11-jährige Mädchen, das zehn Jahre nach dem Abwurf der Atombombe über Hiroshima an Leukämie erkrankte. Kawano war 3 Jahre alt als das tödliche Licht und die darauffolgende Druckwelle die Fenster des Hauses durchdrangen am Morgen des 6. August 1945. Inspiriert von einem alten japanischen Glauben, wonach der Wunsch desjenigen der 1.000 Origami Kraniche faltet in Erfüllung geht – machte sich das Mädchen im Krankenhausbett an die Arbeit.

Der Kranich – der auf japanisch auch Orizuru genannt wird – ist im japanischen Glauben eine mystische Kreatur, die tausend Jahre alt werden kann. Der Kranich steht für Glück und langes Leben. Leider erfüllte sich ihr Wunsch nach einem langen Leben nicht mehr, sie schaffte dennoch 640 Kraniche. Ihre klassenkameradInnen falteten die fehlenden 400 Exemplare und begruben sie mit Sadako Sasaki.

Auch schworen sie sich in Hiroshima ein Monument zum Andenken ihrer Kameradin und all jener Kinder zu errichten, die Opfer der Radioaktivität wurden. Seither befindet sich im Friedenspark, dem „Peace Memorial Park“ in Hiroshima – das Kindermahnmal „Children’s Peace Monument„.

Und jedes Jahr stiften tausende von Menschen gefaltete Papierkraniche als Ausdruck für den Wunsch nach Frieden und auf ein langes Leben. 10 Millionen Papierkraniche werden jedes Jahr zum Peace Memorial gesandt, um das Papier wertschöpfend zu nutzen, wurde das „Orizuru Notebook Project“ ins Leben gerufen, um die Kraniche als Notizblöcke wieder zum Leben erstehen zu lassen mit Informationen zu Hiroshima und seiner tragischen Geschichte und natürlich Anleitungen zum Kranichfalten.

Gute Geschäfte macht Mazda mit den Kranichen und der tragischen Geschichte von Hiroshima:

„We are originally a locally-based Mazda car-dealer. Established more than 80 years ago, we walked along with the people of Hiroshima who have given us great support throughout our history. Hiroshima is also the birth-place of Mazda corp, so we have been with people of Hiroshima and will be with them for years to come. This tower is a way of showing our deepest appreciation to the city and the people of Hiroshima. We wish to contribute them by building the future of Hiroshima.“, heisst es auf der Webseite vom sogenannten „Hiroshima Orizuru Tower„.

Der moderne Mazda-Tower wurde gleich am sogenannten „Hypozentrum“ des Geschehens errichtet, hinter den Ruinen der ehemaligen Präfektur Hiroshima Industrial Promotion Halle, dort wo die Bombe am 6. August 1945 niederging. Mit einem Souvenirshop, Café und Restaurant und einer Aussichtsplattform für deren Zugang jeder Besucher 1.000 Yen (!) – also rund 8 Euro – bezahlen muss, verdient Mazda nicht schlecht am „Memorial“-sightseeing. Dass Mazda das Geld spendet ist mir bis dahin nicht bekannt.

Auch soll jeder Besucher natürlich seinen Kranich falten und in eine Spalte der Glasfassade schmeissen. Mazda hat sich so etabliert, das es als Besucher schwer zu erkennen ist, dass sich hier ein Geschäftsmann den Orizuru unter den Nagel gerissen hat und nicht die Stadt und die Menschen von Hiroshima.

 

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