Wo Frösche glücklich sind

Meine nächste Farm befindet sich rund 90 Kilometer nördlich von San Francisco, in der Nähe der Stadt Sebastopol …

2008 wurde die Farm gegründet und überrascht mit ihrer grossen Vielfalt an Pflanzen, rund hundert verschiedene Gemüsearten, Obst aber auch Blumen, die in grossen Stauden in Beeten wachsen und die als Sträusse verkauft werden. Neben den Eigentümern, die sich mittlerweile mehr um Verwaltungs-, Recherche- und Vermittlungsaufgaben kümmern, arbeiten 6-8 festangestellte Mitarbeiter im Garten (Die Personalkosten sind in den USA aufgrund der geringeren Sozialkosten niedriger).

Teambesprechung am Morgen, um Arbeitsabläufe abzuklären…

2010 wurde die Farm mit dem „North American Pollinator Protection Campain award“ belohnt wegen ihrer angebauten Vielfalt, ein Preis der vergeben wird, um Initiativen zu belohnen, die sich für Bestäuber einsetzen. Die Farmeigner liessen über die Jahre rund 2.000 einheimische Bäume pflanzen, die das ganze Jahr über zu verschhiedenen Zeiten blühen und so Nahrung für die unterschiedlichsten einheimischen Insekten, Kolibris bieten etc.  Ein Teil der Pflanzen wurde durch das „Environmental Quality Incentives Program“ finanziert und ein weiterer Teil wurde durch Stecklinge selbst vermehrt.

Zudem zeichnet sich die Farm durch ihre besondere Sorgfalt für den Boden aus. Ueber die ganzen Jahre ist es den Farmeignern gelungen das organische Material im Boden von 2.5 Prozent auf 6.5 Prozent – rund 30 cm – zu erhöhen, auch konnten sie ihre Verkaufszahlen 12 mal um den nationalen Durchschnitt pro Acre (40,4 Ar) erhöhen.

Der Umgang mit dem Boden beruht auf drei Leitprinzpien:

1) Disturb the soil as little as possible,

2) Keep a diversity of living plants in the ground as often as possible, and

3) Keep the soil covered and protected as often as possible.

Die Qualität des Bodens beruht dabei darauf, dass durch die vielen Mikroorganismen der Boden strukturell eine ganz andere Konsistenz bekommen hat, so dass er viel mehr Wasser halten kann und das Wasser schneller in den Boden eindringt. Zudem reduziert der Mulch die Verdunstung.

Experiment mit einem Boden, der regelmäsig gepflügt und gedüngt wird (links) und in dem es kaum noch Mikroorganismen gibt – und dem gesunden Boden meiner Farm (rechts), der viele Mikrolebewesen enthält und so auch im Wasser nicht zerbricht.

Gelungen ist den Eigentümern die hohe Bodenqualität vor allem da sie ausschliesslich Kompost benutzen und nicht pflügen: „Healthy soil with an abundant harvest could go a long way towards saving the world.“

Was den Bezug zum Konsumenten anbelangt, verkauft die Farm ihr Gemüse auf drei verschiedenen Wochenmärkten und betreibt ein solidarisches Landwirtschaftskonzept mit rund 120 Mitgliedern. Die Mitglieder müssen sich pro Semester einschreiben und ihre Mitgliedschaft wird automatisch verlängert sofern sie sich nicht abmelden. Die Farm verfügt über zwei verschiedene Gemüseabokisten, die klassische Box kostet rund 26 Dollar und die Familienbox ist für 33,50 Dollar  mit rund 30 Prozent mehr Gemüse zu erwerben.

Auch hat die Farm 4-wöchige Probeabos, die etwas teurer sind als normale 4 Wochen kosten würden. Neben dem Gemüse und den Blumen pflegte die Farm eine Zeitlang auch eine Zusammenarbeit mit anderen Anbauern und konnte so auch lokales Olivenöl oder braunen Reis in den Abokisten anbieten. Es werden keine Lieferungskosten berechnet – die Abo-Kisten, die mit den einzelnen Namen der Mitglieder versehen sind, werden zu sechs Abholstationen in den umliegenden Städten gebracht.

Was den Anbau anbelangt so werden in wechselndem Rhythmus rund dreissig verschiedene Gemüsesorten angebaut. Aus  arbeitsintensiven Gründen haben die Farmeigentümer beschlossen die Vielfalt des Gemüses zu reduzieren. Angebaut werden Tatsoi, Baby-Bok Choy, verschiedene Kohlsorten (Broccolini, Brokkoli, Weisskohl…), Scarola und Endivien-Salat, Roter und grüner Kopfsalat, ein knackiger roter und grüner Mini-Römersalat, Rutabarga, Schalotten, Rucola, Radieschen, Mizuna, Tomaten, Gurken, Zucchini, Peperoni, Auberginen, Petersilie…

Daneben hat die Farm rund 30 Legehühner, deren Eier verkauft werden… Die Hühner kommen auch zum Einsatz, wenn es darum geht unliebsames Unkraut zu verwerten.

So hat die Familie in der Vergangenheit den Fehler begangen, invasive Gräser als Stauden anzubauen (für die Blumensträusse), die sich später über andere Beete verbreitet haben. Beim Unkrautjäten kommen somit auch nur jene Pflanzen auf den Kompost, die definitif unbedenklich sind – alle anderen wandern zu den Hühnern.

Um dem Unkrautdruck Herr zu werden, zieht die Farm die ausgesäten Jungpflanzen in recht grossen Multizellplatten heran – so dass sie beim Auspflanzen schon eine gewisse Grösse und einen Vorsprung auf das Unkraut haben.

Zudem werden Plastikplanen benutzt um stark befallene Beete eine Weile abzudecken, so dass die Hitze und das mangelnde Sonnenlicht das heranwachsene Ukraut abtöten. Plastikplanen werden z.T . auch zwischen den Beeten auf den Wegen benutzt.

In den Gewächshäusern benutzt die Farm fast ausschliesslich bodenbedeckende Plastikfolien.

Um den Kompost zu wenden verfügt die Familie über einen Traktor und das ist denn auch der einzige Einsatzbereich des Gefährts: Kompost wenden und Kompost zu den neuen Feldern fahren, sobald eine Kultur auf einem Beet entfernt wurde.

Generell – auch bei Brassicacae – werden die Wurzeln der Pflanzen im Boden belassen, d.h. die Strünke werden ausschliesslich oberirdisch abgeschnitten, so dass nicht die ganzen Pflanzen mit Wurzel aus dem Boden herausgerissen werden. Ist das Beet geleert, wird mit einer Unkrauthacke grobflächig über das Beet gefahren. Dann werden drei Präparate – Mineralien, Hühnerdung und muschelkalk – auf dem Beet verteilt, die Menge orientiert sich daran, ob es sich bei der nächsten Kultur um Stark- oder Schwachzehrer handelt.

Nachdem die drei Produkte auf dem Beet verteilt wurden wird eine bis zu 2-3 cm dicke Kompostschicht aufgetragen.

Dann wird die Tropf-Bewässerung wieder auf dem Feld ausgebracht – grundsätzlich zwei Leitungen für einen Durchmesser von 75 cm Beetbreite. Das Wasser wurde auf den Gebäude- und Gewächshausdächern gesammelt und stammt aus einer lokalen Quelle.

Speziell ist auch die Pflanztechnik: Gepflanzt wird mit einer kleinen Handschaufel mit der ein kleines Loch gegraben wird, in das dann jeweils die Pflanzen gesteckt werden. Danach werden die Pflanzen mit Hilfe des Wasserschlauches angegossen, so dass sich das Wasser in den Vertiefungen des Pflanzloches sammeln kann. Binnen einer Woche werden die Pflanzen täglich per Hand gegossen – die reguläre Bewässerung läuft dagegen nur an drei Tagen in der Woche.

2010 wurde die Farm mit dem „North American Pollinator Protection Campain award“ belohnt wegen ihrer angebauten Vielfalt, ein Preis der vergeben wird, um Initiativen zu belohnen, die sich für Bestäuber einsetzen. Die Farmeigner liessen über die Jahre rund 2.000 einheimische Bäume pflanzen, die das ganze Jahr über zu verschhiedenen Zeiten blühen und so Nahrung für die unterschiedlichsten einheimischen Insekten, Kolibris bieten etc.  Ein Teil der Pflanzen wurde durch das „Environmental Quality Incentives Program“ finanziert und ein weiterer Teil wurde durch Stecklinge selbst vermehrt.

Verrichtete Abeiten

Pflücken von Kale .. Er wird dabei gleich in die mit Plastiktüten ausgelegten wachsperforierten Pappkisten gefüllt, beschriftet und wird per Van gleich in den Kühlraum gefahren.

Ernten von rotem Mini-Römersalat.. Gleiches Verfahren… Salate und Mizuna werden gegen Insektenbefall per Netz geschützt.

Unkautjäten wird auch hier grösstenteils per Hand betrieben und gehört zu den wöchentlichen Arbeiten.

Befüllen der Abokisten – jedes Mitglied erhält dabei auch ein Faltblatt mit aktuellen Rezepten und Neuigkeiten von der Farm.

Beetvorberetung und Auspflanzen …

Aussaat der Möhren .. Das Beet wird anschliessend mit grobmaschigen Jutesäcken bedeckt, die bewässert werden, um den Boden feucht zu halten für das Austreiben der Saat.

Waschen der roote Beete .. der Rest des Gemüses wird nicht gewaschen.

Auspflanzen der Gurken und Zucchinis.

Tierische Mitbewohner (gewollt und ungewollt)

 

 

 

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