Bom Dia Brazil

Tudo bem ! ist ein Audruck, den man gerne in Brasilien hört. Dabei ist sowohl die politische sowie die soziale Situation als auch der Schutz der Umwelt und der Ursprungsbevölkerung alles andere als gut.

Das grosse Land befindet sich heute in vielen Hinsichten vor einem Abgrund, so kostet die Korruption das Land jedes Jahr rund 268 Millionen Euro. Andererseits gehört Brasilien mit zu den grössten Soja-, Cafe- und Zucker-Lieferanten.

Die Reise beginnt in Rio de Janeiro, das an der Bucht von Guanabara gelegen ist. Die Stadt besteht aus einer Abfolge von Stränden .. durchschnitten von den sogenannten „Morros“, den spitzen Hügeln an deren Abhängen vor allem die Favellas gebaut sind. Rio ist somit auch eine Abfolge verschiedenster sozialer Stadtteile – ein Jungel aus unterschiedlichster Bausubstanz.

Entdeckt wurde der Standort, an dem sich Rio heute befindet am 1. Januar 1502 von den Portugiesen – die  davon ausgingen, dass sie sich an der Mündung eines Flusses befanden, weshalb der Name „Rio de Janeiro“ („Janeiro“ vom Entdeckungsmonat) entstand…

Eine schnelle Entwicklung erfuhr die Stadt dank des Zuckerrohrs und dann vor allem durch die Entdeckung des Goldes im Minas Gerais – einem im Südwesten gelegenen Staat – im 18 Jahrhundert.

Als 1808 der portugiesische König Exil in Brazilien suchte, verstärkten sich auch die Beziehungen zu Europa. Anfang des 20 Jahrhunderts erfuhr die Stadt seine wesenlichste Stadtentwicklung, die auch heute noch nachwirkt: Grosse Alleen wurden gebaut, die Bucht Copacabana wurde erschlossen als in den 1930er Jahren, Privatvillen grossen Palästen weichen mussten und die Strandpromenade angelegt wurde.

Seine goldenen Zeiten hatte Rio in den 1930ern und 1960er Jahren. Damals bildete Rio die Hauptstadt der „Vereinigten Staaten Brasiliens“, mit einer starken Mittelschicht und vielen Beamten. Die unteren Sozialschichten fanden ein Einkommen als Hausangestellte, Industriearbeiter oder im Dienstleistungsbereich. Durch seinen Charme wurde de Stadt auch zum Anzugspunkt für viele Künstler. Ipanema wurde zum Hafen für die Bohème.. In dieser Blütezeit wurde denn auch das Bild der „Garota“ geprägt, des jungen braungebrannten Mädchens das lasziv den Strand entlang wandelt.

Der Verfall Rios setzt ein, als die Stadt ihren Status als föderale Hauptstadt verliert – zugunsten der auf dem Reissbrett entworfenen, im Inland befindlichen Stadt Brazilia. Verschlimmert wird alles noch durch den Staatsstreich von 1964 – das Militär greift radikal durch in der vor allem als links bekannten Stadt.

In den 1980er Jahren erleidet Rio einen weiteren Dolchstoss als die Finanzkrise, die einen guten Teil der lokalen Industrie dahinrafft. Während dieser Zeit verbannt die Hyper-inflation die Aermsten noch stärker in die Armut, während die Reichen sich in der Spekulation bereichern. Die Favelas wachsen schneller als der Stadtkern selbst. Heute leben mehr als 20 Prozent der Bevölkerung in den sogenannten Favelas, dabei handelt es sich grösstenteils nicht um Arbeitslose, sondern die meisten haben ein Auskommen in der Tourismusindustrie oder im Dienstleistungsbereich als Eisverkäufer, SupermarktkassiererIn, Wächter… Jeder Stadtteil hat seine eigene Favela – während sich die Reichen hinter Stacheldraht und Sicherheitskräften verschanzen… Wie Sand am Meer sind die kleinen Strassenverkäufer, die verzeifelt versuchen einen ausreichenden Tageserwerb zu erzielen.

Auch das radikale Eingreifen der Polizei sowie ihre Omnipräsenz im öffentlichen Raum verstärkt das Gefühl der Sicherheit nicht wirklich, sondern scheint eher noch tiefere Gräben zwischen den sozialen Schichten zu verursachen. Vielleicht wäre dieses Geld besser in die Erziehung und Chancengleichheit investiert.

Mais Livras, menos Armas …

Seit den 1990er versucht die Regierung die Favelas in den urbanen Raum einzugliedern – statt sie abzureissen wie es noch Brauch unter der Militärdiktatur war..

Bekanntheit hat Rio heute insbesondere durch seinen Karneval – der aus einem Zusammenschluss verschiedener Feste der schwarzen und der portugiesischen Gemeinschaft entstanden ist. Aus einer Mischung aus Polka und der Marschmusik der Portugiesen sowie den Trommeln der schwarzen Einwanderer rsp. Nachkommen der verschleppten Sklaven entstand die Samba-Musik, deren erste Aufnahme aus dem Jahre 1917 stammt – woraus sich mit der Zeit eine ganze Industrie entwickelte…

Beeindruckend sind in Rio auch die erhaltenen Barockkirchen…

Barock in all seiner Opulenz diente auch dazu die ansässige Bevölkerung einzuschüchtern und zum katholischen Glauben zu bekennen. Noch heute spielt der Glaube in Brasilien – v.a. bei der armen Bevölkerung – eine enorme Rolle angesiedelt haben sich mittlerweile alle möglichen Erlösungs- und Reformationskirchen.

Als touristisches Highlight von Rio gilt das am Stadtpeer gelegene Zukunftsmuseum oder „Museu do Amanha“ (https://museudoamanha.org.br/), das von seiner Form her an einen grossen Walfisch erinnert. In dem Museum werden Fragen zur Gegenwart und Zukunft gestellt und das sowohl was die Bevölkerungsentwicklung, die Ressourcenknappheit, die Umwelt anbelangt – aufbereitet werden diese Frage anhand von Fotos und digitalen Medien. Auch wenn das Museum Diskussionen anstossen will, glänzt es dennoch durch Widersprüchlichkeit, wie ist es ansonsten zu erklären, dass Firmen wie Shell und andere grosse Multinationale Firmen, die erheblich zum Raubbau an der Natur beitragen, das Museum finanzieren?

Auch verschlang und verschlingt der Bau, der vom spanischen „Stararchitekten“ Santiago Calatrava errichtet wurde, ein Vermögen – und das nicht nur für die ursprünglichen Baukosten, sondern vor allem für den Unterhalt und die Instandsetzung.  Calatrava ist zuständig für so manches Finanz- und disfunktionale Architekturdesaster – z.B. der Flughafen in Bilbao (mit eine Wartehalle im Aussenbereich, dabei regnet es oft in Bilbao), einer rutschigen Brücke über den Canal Grande in Venedig, für die der Architekt rezent verklagt wurde, das Geldverschlingende Baudesaster der „Cité des Arts et des sciences“ in Valencia, für die es noch immer keine wirklich sinnvolle Nutzung gibt – und die Liste lässt sich weiter verlängern ….

 

 

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