Favelas in Rio

Rund tausend so genannter „Favelas“ unterschiedlicher Grösse und Sozialgefälles gibt es in Rio de Janeiro und es wird vermutet, dass rund 1.200.000 Menschen in diesen besetzten Stadtteilen leben.
Der Begriff Favela entlehnt aus dem Portugiesischen für „Armenviertel“ bezeichnet die besonders in Randlagen der großen Städte Brasiliens liegenden informellen Siedlungen, bei denen ein großer Teil der Bewohner über einen nur geringen Grundbesitz verfügt.
Einige dieser Favelas sind heute über 100 Jahre alt. Der Grund für das Entstehen der Favelas liegt auch im Versagen des Staates für seine ärmsten BürgerInnen rsp. Arbeitssuchenden erschwinglichen Wohnraum zu schaffen, denn im Zentrum Rios waren/sind die Wohnungen für die oft aus ländlichen Regionen Zugezogenen zu teuer.. Auch die Anfahrt aus den rund vierzig Kilometer entfernt, im Umland befindlichen Sozialwohnungen war für viele Arbeitssuchende unmöglich – auch hier hatte der Staat versagt, entsprechende öffentliche Verkehrsmittel zur Verfügung zu stellen.
So dass die Ankömmlinge anfingen das Land in den umliegenden Hügeln von Rio zu besetzen und sich mittels primitiver Materialien Wohnungen auf staatlichem Grund und Boden zu errichten.
Brücke über eine Schnellstrasse, erbaut vom brazilianischen Architekten Oscar Ribeiro de Almeida Niemeyer, die zur Favela Rocinha (1930) führt.
In der Favela Rocinha (siehe Bilder) sollen rund 120.000/130.000 Menschen leben. Die Favelas, die oft aus einem historischen Wildwuchs heraus entstanden sind, haben denn meist auch keine Strassen, sondern vor allem sehr schmale Fussgängerwege und -treppen, die z.T. via Moto-Taxi befahrbar sind.
Erst in den 1980er Jahren wurde damit begonnen Wasserleitungen und Kanalisation in den Favelas zu verlegen – was aufgrund der vollendeten Bausubstanz nicht einfach war.
Das Wasser wird den Siedlungen durch die Stadtverwaltung gratis zur Verfügung gestellt. Bis dahin wurden die einzelnen Siedlungen vorwiegend durch Trucks mit Wassertanks beliefert und die einzelnen Bewohner füllten einfach einen Eimer, dessen Wasser sie zum Kochen und Säubern nutzen.
Der Müll dagegen wurde einfach die Abhänge heruntergekippt. Auch hier gibt es mittlerweile Bemühungen den Müll auf zentralen Sammelstellen zusammenzutragen wo er dann durch die Stadtverwaltung abgeholt wird.

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Die Anwohner haben wohl auch ein Anrecht auf eine kostenlose Krankenversicherung. (Was auch immer das bedeutet). Die meisten Favelas haben heute einen elektrischen Anschluss, und der Verbrauch muss jeder Einzelne selbst bezahlen, Internet sowie Parabolantennen sind auch weit verbreitet.
Favelas haben zudem Schulen, Geschäfte oder auch eigene Cafés sowie Wochenmärkte. Das Gemeinschaftsgefühl ist in diesen Wohnorten sehr stark.
Falls ein Eigentümer seine Wohnung verkaufen will, so vereinbart er mit dem Käufer einen Betrag und händigt den Schlüssel aus – hier werden keine Anwälte benötigt. Falls der neue Käufer ausbauen will, setzt er einfach eine weitere Etage aufs Haus. Das hat natürlich auch zur Folge, dass einige Häuser mittlerweile fast zu turmartigen Gebilden herangewachsen sind, die wenig Licht in die untern Etagen lassen.
Als in den 1980er Jahren Kokain von Kolumbien aus die Märke überschwemmte, haben zunehmend lokale Gangs die Macht in den Favelas übernommen.. es kam zu harten Auseinandersetzungen mit der Polizei, die längst jedwegen Einfluss in den Favelas verloren hat. Vor wenigen Jahren stürmte die Regierung die Favelas mit Hilfe des Militärs, was den Tod vieler Zivilisten zur Konsequenz hatte und letztlich dazu führte, dass die Gangs sich nun in den Untergrund zurückzogen.
In den Favelas jedoch haben sie nach wie vor ein Heimspiel, denn sie kennen alle Ecken und Winkelzüge um von A nach B zu gelangen. Hat sich einmal die Polizei in einer Favella verirrt, so geben Gangmitglieder durch Feuerwerk die genaue Position der Polizisten an. Was das Drogengeschäft anbelangt, werden 90 Prozent des Kokain nach wie vor asserhalb der Favelas verkauft.

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