Brasilia, the future Capital?

1960 wurde die neue Hauptstadt Brasiliens in der Mitte des Nirgendwo auf dem Planalto Central errichtet, 1.100 km entfernt von Rio de Janeiro, der bisherigen Hauptstadt. Brazilia wurde auf dem Reissbrett entworfen und seine ursprüngliche Form erinnert einerseits an ein Kreuz und andererseits an ein Flugzeug.

Für Rio war dieser Umzug desaströs. Als Ursache für den plötzlichen Neuanfang wurden einerseits Sicherheitsbedenken geltend gemacht (entfernt von der Küste), ein zentralerer Standort im grossen Land Brasilien sowie andererseits Platzgründe, um alle Regierungsgebäude in einem näheren Umkreis zu errichten.

Die neue Stadt der Zukunft war inspiriert vom modernen Design eines Le Corbusier, der Bauhaus Architektur sowie den Prachtstrassen in sozialistischen Ländern. Das ausladende, strenge Design der Gebäude erinnert in seiner Stringenz an den Film “Mon oncle” des französischen Filmemachers Jacques Tati.

Diese für damalige Verhälnisse innovativen Gebäude konnten ihren Glanz nicht bewahren: Heute  sieht die brasilianische Hauptstadt eher trostlos aus. Und das einerseits, da die Prachtboulevards nicht für Menschen – sondern Fahrzeuge – gemacht sind und die Stadt durch Leere glänzt. Andererseits hat der Beton die Zeiten schlecht überstanden: Nicht nur von den Gebäuden selbst lösen sich Fliesen und der Beton ist rissig geworden, in den Regierungsgebäuden stehen auch noch immer die ursprünglichen Möbel, die längst ihren Charme verloren haben…

Mit Farbe werden alte Möbe aufpoliert.

Die Infrastruktur der Gehwege ist defekt, Springbrunnen sind ohne Wasser. Brasilien, das sich nach wie vor in einer Rezession befindet, geschüttelt durch immer neue Korruptionsskandale scheint für dieses Aufpolieren kein Geld zu haben.

Es war Juscelino Kubitschek, der 1956 entschied Brasilia zu errichten und neben dem Stadtplaner Lucio Costa, war es insbesondere der brasilianische Architekt Oscar Niemeyer (1907-2012), der über 600 Projekte weltweit umgesetzt hat, der fast ausschliesslich seine Bau-Fantasien ausleben konnte.

Von einem Tag zum anderen wurden tausende Kubikmeter Erde abgetragen und ein künstlicher See mit einem Durchmesser von 42 km angelegt.

Die neue Stadt wurde in der Rekordzeit von nur drei Jahren und 6 Monaten fertiggestellt. Die Hauptverkehrstrassen wurden ohne Fussgängerübergänge angelegt, um den Verkehr so flüssig wie möglich zu halten, die Residenzblöcke waren geplant für 3.000 Personen mit Geschäften, Kirchen, Schulen.. Und da war die Hauptachse zu den Regierungsgebäuden, die Niemeyer “unidades de vinzinhacas/ unities of neighborhoods“ nannte, in denen die Regierungsbeamten leben sollten.

Witzigerweise hielt sich die Begeisterung dieser Beamten in Grenzen – sie mussten einen doppelten Lohn ausbezahlt bekommen, um sie zu überzeugen sich in Brasilia niederzulassen. Auch heute noch müssen Regierungsbeamte mindestens 4 Jahre in der Stadt gedient haben, bevor sie die Stadt verlassen können. Auch die Botschaften brauchten Jahre – bevor sie sich endlich in der Stadt niederliessen, es war so schwierig, dass sogar einige Länder mit diplomatischen Konsequenzen gedroht wurde, sollten sie nicht endlich umziehen.

Auch heute ist das Leben in der Vorzeigestadt nicht wirklich aufregend, viele Menschen leben in grossen, seelenlosen Gebäudekomplexen, zudem ist das Leben recht teuer. Brasilia wurde ursprünglich für 400.000 Menschen geplant – mittlerweile leben 3 Millionen Menschen im Zentrum sowie dem Einzugsgebiet.

Ministerien flankieren beidseitig die Prachtstrasse, die sich vom Fernsehturm hin zum Kongress erstreckt.

Zentrales Landmark der brasilianischen Hauptstadt am östlichen Ende der zentralen Eixo Monumental, ist das Kongressgebäude, welches seit 1960 beide Kammern beherbergt – der Senat sowie das Abgeordnetenhaus – beide Gebäude sind miteinander verbunden. Die Architektur ist dabei symbolhaft: Das Abgeordnetenhaus befindet sich unter der konvexen Schale, die nach oben gekehrt, bereit ist, Ideen zu empfangen – der Senat unter sitzt unter der konkaven Kuppel, diese Ideen zu bewahren und umzusetzen. Die Abgeordnetenbüros befinden sich in zwei Seitenhochhäusern hinter dem Flachbau.

Andere Gebäude von Niemeyer sind das „Museum Nacional“ – der Architekt hatte bereits 98 Jahre als er dieses Gebäude plante – es wurde erst 2007 eröffnet. Heute hat das futuristische Gebäude bereits seinen Charme eingebüsst und steht weitgehend leer.

Das wohl bekannteste Gebäude von Niemeyer ist die „Catedral metropolitana“ mit ihrer „Dornenkrone“, und ihrer intensiven Verflechtung aus Beton und farbigem Glas. Die Glasfenster wurden von Marianne Peretti entworfen.

In dem Gebäude selbst erläutert eine kleine Ausstellung die Entstehung des innovativen Entwurfs.

 

Mit Glas wurde auch im „Santuario Dom Bosco“ gearbeitet, der Architekt Carlos Aberto Naves zeigt sich für diesen Bau verantwortlich.. Während das Glas Leichtigkeit vermittelt, hängt von der Decke ein bombastischer 2,6 Tonnen schwerer Lüster…

 

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